Kölsch, Kuchen und ganz viel Kunst - Künstlerportrait über Volker Hildebrandt

Text: Steffi Kutsch & Bilder: Jörn Strojny

Volker Hildebrandt ist ein sehr lieber Nachbar

Er wohnt bei mir im Haus. Wir begegneten uns das erste Mal, als ich für ihn ein Paket annahm, das er bei mir, ein paar Stockwerke über seiner Wohnung, am Abend abholen kam. Eines war jedoch schon damals besonders, als Dankeschön für meine bloße Paketannahme bekam ich einen Bildband von ihm geschenkt, den er mir unerwartet sogleich in die Hand drückte.

“Volker Hildebrandt. Elephants. Eyes.” Dies ist der Titel, der auf dem Cover geschrieben stand. Es war ein Ausstellungskatalog seines eigenen künstlerischen Schaffens, anlässlich einer Präsentation im Rahmen der sogenannten „Tierschau“ des Wallraf-Richartz-Museums, die im Zoologischen Garten Köln 2007 gezeigt wurde. Als er mit seinem Paket längst wieder gegangen war, machte ich es mir auf meiner Couch gemütlich und schmökerte in seine Bildwelt vertieft.

Volker Hildebrandt serviert Kuchen und Kölsch

Die Neugier, ihn als Künstler kennenzulernen und sein langjähriges, erfolgreiches Schaffen zu ergründen, war in diesem Moment geweckt. Zum gemütlichen Kaffeeplausch mit ihm verabredet, klingele diesmal ich bei ihm, und werde bereits im Eingangsbereich von ganz viel Kunst empfangen. An sämtlichen Wänden hängen eigene bildnerische Werke, Acrylmalereien auf Leinwand, bemalte Objekte und Plastiken,  medial-digitale Drucke und ebenso viele Werke anderer renommierter Künstler, deren Schaffen er schätzt. Selbst die Fußmatte ziert mit „LOVE“ eine Anspielung auf den Leitsatz seiner jüngsten digitalen Arbeit, die als „love pro toto“ veröffentlicht ist. Fasziniert schweift mein Blick über seine großflächig bebilderten Wände. Volker muss mein Staunen bemerkt haben, lachend setzen wir uns gemeinsam an seinen gemütlichen Esstisch, der als üppige Kaffeetafel gedeckt ist, wobei er mir, zusätzlich zum Kaffee, ebenso locker ein frisches Kölsch serviert, was herrlich schmeckt und seine Unkompliziertheit zeigt.

Volker Hildebrandts Liebe zu Köln: kein 1.FC Köln Spiel wird verpasst

In Duisburg geboren, hat Volker Hildebrandt in Bonn und Köln zunächst Jura, Kunstgeschichte sowie Sonderpädagogik studiert, hielt bis 1988 sein Atelier in Duisburg, wohnt und lebt seither in Köln, wo er tief verwurzelt ist. Er mag an seiner Stadt das Multikulti-Leben am Eigelstein, insbesondere in der Weidengasse. Er schätzt den etablierten Kölner Kunstmarkt und die breite Museumslandschaft. Eines seiner Werke (eine bemalte Kreuz-Skulptur) gehört gar selbst zur Sammlung des Kolumba-Museums. Seine „kölsche“ Ader zeigt sich nicht zuletzt daran, dass er, insgesamt sportbegeistert, kein Spiel des 1. FC Köln verpassen mag.

Volker Hildebrandts künstlerisches Schaffen: das gestörte Bild als authentischens Bild

Die Kaffeekränzchen-Plauderei entwickelt sich mit Leichtigkeit zum tiefsinnigen Gespräch über Volkers künstlerisches Schaffen. Er habe Bilder, stelle selbst welche her, fertige im eigentlichen Sinn aber „Bild-Störungen“. Das sei paradox, zumal diese selbst Bilder seien. Der Hintergrund sei folgender: Seit Erfindung der Fotografie sei es möglich, Bilder „künstlich“ herzustellen und technisch zu reproduzieren. Seit Kino, Fernsehen, Video und Computer existierten demnach Bilder, die außerhalb des jeweiligen Mediums keine materielle Existenz (zum Beispiel an einer Wand) hätten. In Bezug auf den Realitätsgehalt dieser „künstlichen“ Fernsehbilder kommt Hildebrandt zu dem Schluss, dass die wirklichen Bilder, die vom Fernsehen selbsttätig produziert würden, „Bildstörungen“ seien. Erst das gestörte Bild erscheine ihm als authentisches Bild!

Er beginnt folgerichtig, das Flimmern der typischen schwarzen, weißen und grauen „Bildstörungs-Punkte“ (vgl. „Schnee“) mit Acrylfarbe auf Leinwand zu übertragen und transferiert die medial bedingte „flüchtige“ Bildstörung auf diese Weise zum „statischen materiellen“ Bild, was dem Betrachter damit erst zugänglich gemacht wird.

Volker Hildebrandt stellt sich vor, er stelle sich nichts vor

Sein Oeuvre ist zu Anfang dominiert von monochromer grauer Acrylmalerei, die den Eindruck von Zeitlosigkeit visuell vermittelt. In weiteren Arbeiten manifestieren sich unzählige schwarze Punkte auf weißer Fläche, was dem Betrachter eine vitale Anmutung der Unendlichkeit des Universums bildlich vor Augen führt. In einer Art Neuausrichtung seines Schaffens entwickelt er eine Vielzahl gravierter Messingschilder, die er auf Bilderrahmen montiert, mit Worten und Phrasen, die auf eine Art „Nullpunkt“ verweisen, von dem aus er neu gestalten kann. Sie lauten entsprechend: „Bildverweigerung“, „ohne Kommentar“, „Stell dir vor, du stellst dir nichts vor“, genauso wie „Titel für Bilder, die ich aber nicht mehr gemalt habe“. Durch die nachfolgende Malerei und die Artikulation der „Bildstörung“ kann er sich schließlich aus einer medial begrenzten Welt befreien.

Volker Hildebrandts Online-Projekt: “Love pro toto”

Seit Mitte 2009, nach dem schmerzlichen Ende einer persönlichen großen Liebe, beschloss er im Internet ein Projekt zu starten, welches der Liebe an sich gewidmet ist. Inspiriert vom lateinischen Satz „pars pro toto“ (Bedeutung: „ein Teil für das Ganze“) kreiert er mit „love pro toto“ zugleich den Titel und Markennamen für sein virtuelles Kunstwerk.

Während Nachrichten über Terrorattacken und grausame Ideologien sich heutzutage häufen, sei es an der Zeit, so der Künstler, den Menschen in einem gemeinsamen Traum das Gefühl zu geben, ein wichtiger Teil des Ganzen, eines globalen Kunstwerks zu sein. In Form seiner „globalen sozialen Skulptur“ sei jeder gefragt, den magischen Satz „Ich liebe dich!“ zu allen Menschen zu sagen, indem man ihn, authentisch in der jeweiligen Landessprache und mit ganz persönlichem Ausdruck, per Videoclip hochlade. Volker Hildebrandt begründet sein Anliegen wie folgt: Weil es schön ist, „Ich liebe dich!“ zu sagen und „Ich liebe dich!“ zu hören. Dabei stelle die jetzige Form von „love pro toto“ für ihn nur einen Anfang dar.

32 Tage bis zur Welt voller Liebe. „love pro toto“ ist ein globales Kunstprojekt

Anlässlich des diesjährigen Valentinstags wurden in der DD55 Gallery bei einer Sammelausstellung unter dem Titel „Grammar of Love“ Haltungen und Werke diverser Kunstgrößen wie Robert Indiana, Keith Haring und anderer gezeigt, welche sich alle mit dem Thema „Liebe“ auseinandersetzen. Eröffnet wurde die Ausstellung mit Grußworten von Hella von Sinnen, einer Freundin des Künstlers Volker Hildebrandt. Es wurden mehrere Werke Hildebrandts gezeigt, selbstverständlich ist er mit seinem Herzensprojekt „love pro toto“ vertreten.

32 Tage bis zur Welt voller Liebe. „love pro toto“ ist ein globales Kunstprojekt mit dem Ziel, diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn alle mitmachen, 5 Minuten dafür geben, wenn alle Menschen zu allen anderen sagen: „Ich liebe dich!“, in einem kleinen Video, in ihrer Sprache. Und alle Menschen würden zwei andere dazu bewegen, das auch zu tun. Wenn alle das tun, ist das Ziel erreicht. Eine Welt voller Liebe. 32 Tage dauert das.

Hiermit lädt der Kölner Medienkünstler Volker Hildebrandt alle WE ARE CITY - Leser zum Mitmachen ein!

WE ARE CITY sagt: „Volker, wir lieben dich!“

Eure Steffi & euer Jörn

Volker Hildebrandt
love pro toto
DD55 Gallery