„Light it up!“ – Urbane Lichtinstallation von Michael Batz färbt Köln blau

Text: Steffi Kutsch & Fotos: Athenea Diapouli-Hariman

Es ist soweit. Heute lohnt es sich für alle Kölner den Blick gen Himmel zu richten, wenn 7.000 strahlend blaue Leuchtstoffröhren für die Dauer vom 21. bis 26. August in den Abendstunden markante urbane Gebäude links- und rechtsrheinisch illuminieren. Sie sind Teil des großangelegten Stadtkunstwerkes „Light it up“, welches zum 10. Jubiläum der Gamescom entsteht und den Stellenwert der europäischen Leitmesse für digitale Spielekultur sowie Köln als „innovative und attraktive Kultur-, Medien- und Wirtschaftsmetropole“ betont.

„Light it up“ ist vom Künstler Michael Batz erschaffen. Er ist eine vielseitige und spannende Persönlichkeit. 1951 in Hannover geboren, lebt und arbeitet er mit Leidenschaft seit 1976 in Hamburg. Hier ist er tätig als Szenefotograf, Autor, Lichtkünstler und Theatermacher.

Mit dem Künstler ist WE ARE CITY exklusiv und in schwindelerregender Höhe auf dem Funkturm Colonius verabredet. Es ist der Ort, an dem wir in den vergangenen Tagen bereits Gelegenheit hatten, den komplexen Aufbau, stellvertretend für das Gesamtkunstwerk, hautnah zu erleben. Der Colonius stellt ein besonderes Wahrzeichen dar, ragt er doch mit seiner Silhouette vertikal deutlich über das Stadtprofil hinaus und trägt damit zur Stadtidentität bei.

Michael Batz kommentiert die Wahl des Funkturms als Teil seiner Lichtinstallation besonders - man hat das Gefühl, er beschreibe einen alten Freund:

Der Colonius hat Ausstrahlung, er ist sehr sympathisch, nicht zu alt und nicht zu jung!
— Michael Batz

Funkturm mit 100 blauen Leuchtstoffröhren in Szene gesetzt

Zu „Light it up“ wird der Funkturm auf zwei Panorama-Ebenen, jeweils in 166,18 m (ehem. Restaurantgeschoss) und 169,88 m Höhe (Aussichtsgeschoss), mit allein 100 blauen Leuchtstoffröhren in Szene gesetzt. Obgleich der Colonius heute für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich ist (das Restaurant mit einem drehbaren Sitzbereich und die Aussichtsplattform sind seit 1999 geschlossen) hat er dennoch, allein aufgrund seiner Gesamthöhe (266m), eine besondere Bedeutung für die Funkreichweite. Er ist zugleich der höchste Fernmeldeturm Nordrhein-Westfalens. Auch geht er technisch sehr mit der Zeit: Für die Entwicklung des „Edge Computing“ über 5G, was für 2020 angestrebt wird, ist es der ideale Standort. Dank dieser Technik mit enorm herabgesetzten Latenzzeiten wird es dann beispielsweise für jeden Gamer in Millisekunden möglich sein in Computerspielen zu reagieren, was im Zweifelsfall über Sieg und Niederlage entscheidet.

„Light it up“ illuminiert zahlreiche Kölner Gebäude

Es erstrahlen bläulich schimmernd das Messehochhaus, das RTL-Gebäude, der RTL-Turm, LVR, der Tanzbrunnen, das Stapelhaus, der Bahnhof, der Musical Dome, Museum Ludwig, die Bastei, das Schokoladenmuseum, die KD-Schifffahrt und andere. Die künstlerische Verbindung beider Rheinufer zu einem Kölner Ganzen gelingt durch die Illuminierung der Deutzer Brücke, der Hohenzollernbrücke und der Zoobrücke. Dynamisch wird das Lichtgemälde zudem durch die teilweise erfolgende Beleuchtung des mobilen Schiffsverkehrs.

Licht habe einen Spirit, erzähle eine Story

Was macht den Zauber der Lichtkunst für Michael Batz selbst aus? Licht habe einen Spirit, erzähle eine Story, werfe auch Fragen auf. Er stelle sich die Bedingungen der Dunkelheit und das urbane Leben darin als eine Art Roman vor, den er mit seiner Lichtkunst nicht voll ausleuchte, sondern in der Geschichtenfülle reduziere und damit für jeden in neuer Wahrnehmung der eigenen Stadt öffne und erlebbar mache.

Wie erzähle ich Köln den Kölnern?

„Wie erzähle ich Köln den Kölnern?“, habe er sich vor Projektbeginn in künstlerischer Hinsicht gefragt. Die Antwort sei einfach: Der städtische Raum bilde eine große urbane Bühne von der man selbst Teil sei, ein Mitglied eines Ensembles. Die Installation „Light it up“ erzähle dann „die Story“, wobei das Licht die Funktion habe, Verbindungen zwischen Menschen und ihrer Stadt zu schaffen oder selbige aufzuzeigen. Der Künstler fungiere demnach eher als eine Art „Übersetzer“, denn als Storyteller, die Lichtwirkung hingegen sei Hilfsmittel der Erschließung jedes Einzelnen.

Üblicherweise sei man nur gewohnt, von der eigenen Stadt zu berichten, wenn man beispielsweise Freunde und andere Besucher Kölns an den Wahrzeichen entlangführe, um ihnen die Besonderheiten der Stadt näherzubringen. Bei „Light it up“ gehe es vielmehr darum, selbst einmal in seiner eigenen Stadt „fremd zu sein“ und dadurch die Chance zu erhalten, selbst bislang Ungesehenes zu enthüllen, zu erfahren, zu erleben, zu entdecken und ganz still und unaufgeregt dem Moment und den eigenen Wurzeln nachzugehen.

Moment des subjektiven Erlebens

Die mit bloßen 58 Watt bestückten Lampenröhren, die Michael Batz künstlerisch nutzt, bilden bewusst keine technisch ausladende und geskriptete Lasershow, kein vorgegebenes Lichtspektakel, sondern wirken simpel und direkt. Die blauen Leuchtelemente von „Light it up“ betonen als Lichtstreifen schlicht Blickrichtungen und Sehachsen, indem sie beispielsweise eine Fassade- oder Gebäudeform nachzeichnen. Hiermit reduzieren und damit akzentuieren sie den Eindruck und heben bislang ungesehene Stadtdetails in der Nacht hervor und lassen dabei zugleich Raum für Imagination und Emotion. Diese Erfahrung gleicht der Wahrnehmung der Impressionisten in der Kunst, der Moment des subjektiven Erlebens steht im Zentrum. Die Lichtinstallation in Köln ist nur temporär, die zeitliche Begrenzung der Wirkung macht die Erfahrung und das Erlebnis der Selbstentdeckung für jeden einzelnen umso fragiler und kostbarer.

Die Farbe Blau

Das Farbe Blau, die bei der großflächigen Lichtinstallation eine Rolle spielt, hat folgende Bewandtnis: Zunächst hat ihre Verwendung in der Kunst eine lange Tradition, insbesondere im 20. Jahrhundert. Man denke z.B. an ein leuchtendes „Yves Klein-Blau“, die Künstler des „Blauen Reiters“ wie Franz Marc und Wassily Kandinsky oder die „Blaue Phase“ von Pablo Picasso. Auch die Farbpsychologie stellt positive Assoziationen damit, wie still, entspannend, vertrauensvoll, verlässlich heraus. Neben dem kreativen Hintergrund kommt aber auch ein ganz technisches Detail in der Farbwahl Batz` für die Beleuchtung hinzu: Rot, Gelb und Grün sind z.B. als Signalfarben für die Schifffahrt oder den Eisenbahnverkehr reserviert und wirken daher im hochfrequentierten Bereich an Transportwegen des Rheins oder der Hohenzollernbrücke ablenkend und sind dort zu vermeiden.

Wir verabschieden uns von Michael Batz neugierig mit der Frage danach, welchen Ort er selbst am Abend wählt, wenn die Silhouette Kölns gegen 21:30 Uhr mit blauen Lichtstreifen nachgezeichnet und erleuchtet wird. Auch er erlebt die spannende Gesamtwirkung seiner künstlerischen Planung erst in der tatsächlichen Realisation, zeitgleich mit allen Kölner Betrachtern. Er schmunzelt und bleibt uns eine Antwort schuldig.

Es gibt keinen zentralen Betrachtungspunkt, an dem man die Gesamtwirkung exklusiv und im Ganzen erfassen könnte. Im Gegenteil: Wir sind alle Teil des Ensembles, jeder eigene Blickpunkt auf dem urbanen Schauplatz erzeugt eine eigene Perspektive, eine selbstständige, subjektive Empfindung, die zerbrechlich und kostbar im flüchtigen Moment wirkt!
— Michael Batz

Hiervon ermuntert stürzen wir uns selbst fiebernd und vor Empfindung glühend in die Nacht!
Liebe Kölner, tut es uns gleich. Bis zum 26. August 2018 jeweils um ca. 21 Uhr ist noch Zeit für einen ganz besonderen Abendspaziergang durch Köln. Unser Tipp: Fotokamera nicht vergessen, um den Moment doch ein wenig festhalten zu können!

Eure Steffi & Athenea

#LightItUpCGN
Michael Batz
gamescom 2018
Deutsche Funkturm