Der Rapper, der mit Gangstern nie was zu tun hatte

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapouli-Hariman

*sponsored Post

Bald erscheint das neue Album „4 Wände“ von Mo-Torres. Drei Jahre ist es her, seit der Kölner Rapper ein Album herausgebracht hat. Seither hat sich viel verändert. Früher arbeitete er als Projektmanager, seit Mai 2017 ist er Vollzeitmusiker. In den letzten Wochen war er in den verschiedensten Kneipen unterwegs und trat mit alten sowie neuen Liedern auf. Wir trafen Mo und redeten mit ihm über seine Kindheit in Ehrenfeld, Druck, der bei der Arbeit am Album entstand und welche musikalischen Träume er sich noch erfüllen möchte.

Das Studio war in der Zeit mein Zuhause

„Wir waren zwei Monate nonstop im Studio. Letzte Woche habe ich das Master zu meinem Album abgegeben, die Zeit war kritisch. Der Druck, den ich mir gemacht habe, war extrem hoch. Das Veröffentlichungsdatum für „4 Wände“ war schon kommuniziert. Wir waren von morgens 9 Uhr bis nachts um 2 im Studio. Den ganzen Tag kein Tageslicht sehen, das zerrt schon krass an den Kräften. Die letzten anderthalb Jahre habe ich in Texte, Aufnahmen, Videos drehen, Grafik und mehr gesteckt. Das, wofür ich die letzten Jahre gearbeitet habe, sollte auch nach dem klingen. Alles andere leidet in der Phase des Machens. Das Studio war in der Zeit mein Zuhause. Alle Termine fanden dort statt. Dass ich da nicht geschlafen habe, war alles.

Ich glaube, jeder Musiker kann diese Art von Druck verstehen. Man will das beste aus der Platte herausholen. Da gerät man auch mal mit anderen Teammitgliedern aneinander, weil die Nerven komplett angespannt sind. Als Solokünstler ist es auch anders, als in einer Band. Man kann sich nicht immer so zurückziehen. Für Kompromisse braucht man den Austausch im Team. Im Albumprozess habe ich zwei Jungs an der Seite gehabt. Denen habe ich meine Texte präsentiert und die haben mir kreativen Input gegeben. Daraus haben sich neue Ideen entwickelt, das lief sehr gut. Großer Fehler, den man dabei machen kann: Texte in der rohsten Version seinen Leuten zeigen. Klar, am Ende treffe ich die Entscheidung. Aber du willst ja irgendwie auch, dass die nahestehenden Leute dahinterstehen. Da ist mir die Meinung schon sehr wichtig. Meine Freunde sind nicht mehr nur Freundeskreis. Wir arbeiten jetzt auch zusammen. Manchmal ist es schwierig, weil es alles persönliche Themen von mir sind. Wenn man meine Musik kritisiert, kritisiert man auch mich damit. Ich muss noch lernen, da mit Abstand ranzugehen. Jetzt ist die Platte so gut, wie sie nur werden konnte. Ich habe ein gutes Gefühl, es ist das beste Album, was ich je gemacht habe.

Musik ist 24/7 mein Leben, ich schlafe damit ein und wache damit auf

Bis Mai 2017 habe ich noch als Projektmanager im E-Commerce gearbeitet. Jetzt bin ich hauptberuflich Musiker. Musik ist 24/7 mein Leben, ich schlafe damit ein und wache damit auf. Nach Abgabe des Masters bin ich mit dem Rad nach Hause gefahren und habe direkt gemerkt, wie mein Körper offline gegangen ist. Nach über zwei Monaten habe ich zum ersten Mal wieder andere Musik gehört als meine eigene. In der Phase des Produzierens hatte ich mal einen Sonntag frei. Da habe ich mit meiner Freundin Filme geguckt, war spazieren und hab schön den Akku aufgetankt. Da merkt man auch einfach mal, was für ein unfassbar wichtiges Gut die Zeit ist. Abnormal.

Das ist halt mein Leben, ich habe 08/15 mittelständische Alltagsprobleme

Mit Gangsterrap hatte ich nie was zu tun. Klar, früher hing man auf der Straße ab, da hatte man noch andere Themen. Nächstes Jahr werde ich dreißig, was soll ich erzählen? Meine Probleme sind: Die Wäsche anständig auf dreißig Grad zu waschen ohne das meine Freundin sich beschwert oder die Wäsche rechtzeitig aufzuhängen. Bei „Du und ich“ habe ich die Frau und Männlein Thematik mal ein bisschen aufgegriffen, das spiegelt schon sehr viel aus meinem Leben wieder. Das ist halt mein Leben, ich habe 0815 mittelständische Alltagsprobleme. Ich bin gesegnet, dass ich nur solche Probleme habe, das ist ein ganz großes Privileg.

Am liebsten erreiche ich meine Fans live

Am liebsten erreiche ich meine Fans live. Weil es direkt ist und eine gewisse Intimität hat. Online hast du oft eine Diskrepanz zwischen dem Geschriebenen und dem Gemeinten. Face to Face ist schon was ganz anderes, so habe ich es am liebsten. Das ist der authentischste und ehrlichste Weg. Kurz vor einem Auftritt bin ich schon nervös, aber mehr textlicher Natur. Dann frag ich mich: ‚Habe ich alles auf dem Kasten? Kriege ich das so hin?‘ Die Aufregung kommt fünf Minuten vor dem Auftritt. Vorher ist man irgendwie eher müde, das kenn ich noch vom Sport. Ich glaube, das ist sogar wissenschaftlich belegt: Dein Körper kriegt mit, dass gleich ganz viel Adrenalin ausgeschüttet wird und deshalb kommst du vorher noch mal zur Ruhe. So ist es bei mir. Durch die Teamarbeit hat sich die Anspannung weiter gelegt, glücklicherweise muss ich mich nicht mehr um alles allein kümmern. Ich kann dadurch superviele Dinge von meiner Hirn Festplatte löschen und mich auf den Auftritt fokussieren. Ich habe 2007 zum ersten Mal selbst Musik gemacht. Grottig, absolut grottig. Letztes Jahr habe ich den allerersten Song noch mal gehört, aber allein. Das war auch ganz gut so. Ich bin vor Scham vor mir selbst im Boden versunken. Unfassbar.

Stadtkind, was habe ich als Kind anders gemacht als ein Dorfkind?

Ich bin in Ehrenfeld und Bickendorf aufgewachsen. Das war unbeschwert, frei, voller Sport, behütet, intakt, multikulti. Ich glaube, das fasst es ganz gut zusammen. Stadtkind, was habe ich als Kind anders gemacht als ein Dorfkind? Ich bin nach der Schule nach Hause gekommen, hab meine Sachen abgelegt, kurz Hausaufgaben gemacht und bin dann raus auf den Bolzplatz. Da war auch grün. Dafür muss ich jetzt nicht in Pulheim aufgewachsen sein. Man hat halt das blühende Leben am Start. Wobei mich das als Kind nicht interessiert hat, dass ich jetzt die Venloer Straße vor meiner Tür habe mit Arslans Kebap. Als Kind denkst du ja nicht: ‚Oh, hier ist ein Rewe. Klasse!‘ Ich war froh, dass ich mein Büdchen hatte wo ich mir eine gemischte Tüte kaufen konnte und dass der Bolzplatz um die Ecke war. Das war alles was ich brauchte. Und dass meine Straße eine Spielstraße war! Dafür habe ich mit neun Jahren selbst gesorgt mit einer Unterschriftenaktion. Im Rathaus haben dann alle dafür gestimmt, bis auf einer: Fritz Schramma. Keine Grüße gehen raus! Im Grunde hat sich bis heute nicht viel geändert. Außer, dass ich jetzt froh bin, dass ich einen Rewe um die Ecke habe und nicht aus meinem Viertel raus muss. Damals hatte ich das auch, nur eben andere Dinge.

Ansonsten wäre Kool Savas ein absoluter Traum und Endgegner

Mit wem ich gerne etwas Musikalisches starten würde? Ich würde gerne mal mit der Ursprungsformation der Black Fööss zusammenarbeiten. Ansonsten wäre Kool Savas ein absoluter Traum und Endgegner. Wäre mir auch scheißegal, dass ich gegen den Typen voll abstinken würde, da wäre ich auch nicht der Erste. Die Wise Guys haben auch meine Jugendzeit geprägt, als mein Vater mich auf Konzerte von denen mitgenommen hat. Die haben einen musikalischen Einfluss auf mich gehabt: Ernste Themen mit Humor zu verpacken, das es witzig rüberkommt aber jeder versteht die Message. Das fand ich immer super spannend und faszinierend. Ein paar Träumchen habe ich mir erfüllt, aber ein paar gibt es auch noch.

Meine Hotspots in der Freizeit

Meine Hotspots in der Freizeit sind der Joode Lade, weil man mittlerweile auch viele Leute von hier kennt. Hier kann ich gut trinken und abhängen. Aber auch in Ehrenfeld in irgendeiner Kaschemme. Ich bin selten fünf Stunden an einem Ort. Zum Essen gehe ich natürlich supergerne in die Puszte Hütte. Ich reg mich immer auf, wenn ich jemandem von der Puszta Hütte erzähle und der hat davon noch nicht gehört. Da könnte ich Amok laufen. Das werde ich nie verstehen, das ist Kulturgut. Das muss man kennen!“

Mo-Torres
Joode Lade
Puszta Hütte

Eure Charlotte & Athenea

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel.