Möbelkiste vom Dabberg: Polieren gegen die Wegwerfkultur

Text: Jacqueline Skvorc & Fotos: Jörn Strojny

Im Kölner Süden haben 27 Freunde einen Verein gegründet, eine alte LKW-Halle gemietet und zu einem Ort für das freie Kreativsein umgebaut. In der „Minha Galera“ werden T-Shirts bedruckt, Handpans gefertigt und Flohmärkte organisiert. Zwei Kumpels aus diesem Kreativkollektiv haben sich die Arbeit mit Holz auf die Fahne geschrieben: Mark Vomberg und Phil Dabbert haben die „Möbelkiste vom Dabberg“ gegründet und wollen damit die deutsche Möbelindustrie nachhaltiger gestalten.

MARK UND PHIL SIND DIE MÖBELKISTE

Ein riesiger Reifenhaufen, viel Backstein, verlassene Busse. Zwei entspannte Jungs empfangen uns im Industriegebiet in Hürth, im Schatten der Autobahn. Wie von der Sonne geküsst sehen sie aus, als wären sie gerade vom Strandurlaub zurückgekehrt. Dabei verbringen die beiden Freunde einfach viel Zeit in der Kölner Sonne vor ihrer Halle – mit Möbel auseinanderbauen, schleifen und polieren. Mark und Phil sind die „Möbelkiste vom Dabberg“. Vor drei Jahren haben sie sich kennengelernt, seitdem viel Wein zusammen getrunken. Viel geredet, viel gesponnen, viel gelacht. Und vor allem: die gleiche Vision gehabt. 

Die Möbelkiste: eine große Leidenschaft zu Möbeln, dem Selbermachen und der Nachhaltigkeit

Mark kommt aus Belgien, seine Mutter führt dort eine Recycling-Firma. Phil stammt aus Ostwestfalen, kam für das BWL-Studium nach Köln. Beide teilen schon viele Jahre lang die Leidenschaft zu Möbeln, zur Arbeit mit Holz, zum Selbermachen. Und zur Nachhaltigkeit.

Das Thema Mode und Nachhaltigkeit wird im ganzen Land ständig thematisiert. Aber wo unsere Möbel eigentlich herkommen und wie diese verarbeitet sind, diese Frage stellt sich leider bis heute noch kaum jemand.
— Mark Vomberg

Phil und er haben es aber getan und bei den großen deutschen und ausländischen Möbelhäusern recherchiert – und nichts Gutes herausgefunden. Seitdem gestalten die zwei Freunde mit viel Passion und großer Holzliebe in unserer Domstadt alte Möbel um, polieren sie auf und verkaufen sie weiter.

Minha Galera – ein gutes Mindset und viel Kreativität in Hürth

Nirgendswo ist die Wegwerfkultur größer als in Deutschland – dabei gibt es hier so viele geile Möbelschätze!
— Phil Dabbert

Zuerst hatten sie eine kleine Werkstatt am Ebertplatz, dann kam die Idee der „Minha Galera“ auf. Hier verwirklicht sich der große Freundeskreis, hat ein gutes Mindset, ist kreativ, hilft sich gegenseitig weiter, kocht und feiert zusammen auf dem Dancefloor. Wie eine Familie! Phil und Mark wollen sich mit ihrem Möbelprojekt aus der Halle Gehör verschaffen und – hoffentlich bald – an die Türen der Möbelgiganten klopfen und ihnen erzählen, dass man es auch anders machen kann. Und zwar nachhaltig. „Nirgendswo ist die Wegwerfkultur größer als in Deutschland – dabei gibt es hier so viele geile Möbelschätze!“, erklärt uns Phil. Sie haben viele Ideen im Kopf und bringen viel Herzblut mit zur Arbeit. Hier in Hürth verwirklichen sie schon so einige davon, sind ständig auf Möbeltour, kommen zurück, schleifen, polieren, texten und verkaufen. Dann geht es wieder von vorne los. Und sie lieben genau das. „Das Publikum, das über Facebook und Instagram bei uns kauft, ist total bunt gemischt. Wir haben ältere Damen, Sammler und junge Leute. Und das macht so Bock – denn mit vielen Leuten kann man auch viel bewegen.“ 

Mit Nachhaltigkeit und Zero Waste gegen die maßlose Überproduktion von Möbeln

Bei den beiden wird Nachhaltigkeit und Zero Waste ganz großgeschrieben, denn mit ihrem Konzept kämpfen sie gegen die maßlose Überproduktion von Möbeln – und das auf eine wahnsinnig sympathische Art und Weise und ganz nach dem Motto: „Hauptsache wir haben Fun bei der Sache!“. Und weil sie so viel Fun an dem haben, was sie tun, kann man ihre tollen aufgearbeiteten Stücke auch bald in einem Concept Store am Ebertplatz erwerben. Und die der anderen Kreativköpfe der „Minha Galera“ auch. 

Eure Jaci & Euer Jörn

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