OTEO – Das Kölner Electro-Pop Duo

Text: Lara Kersken & Bilder: David Heyer

Wer im September bei dem ersten LIVE im 25-Event war, dem wird OTEO bereits ein Begriff sein. Bereits damals ahnen wir: das Electro-Pop Duo geht eher unkonventionelle Wege. Dieser Eindruck bestätigt sich – auf sympathische Weise – auf der ersten “Easily Offended Party” im scheuen Reh, OTEOs eigener Partyreihe. Als wir die beiden Musiker im Januar zu einem Porträt treffen, überraschen sie uns dennoch mit ihrer Location Wahl: das Internetcafé Microcall Callshop am Barbarossaplatz.

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In gewohnt lässiger Manier nehmen Sänger Alvin Paris und Produzent Matteo Luis hinter den kleinen Bildschirmboxen Platz und freuen sich sichtlich über die uns umgebende Retro-Atmosphäre. Die ganze Szenerie wirkt etwas skurril und aus der Zeit gegriffen – mir war zumindest nicht klar, dass es Internetcafés inklusive Telefonkabinen noch gibt. Aber Matteo und Alvin – sein bürgerlicher Name ist Toni – haben sich gerade diese Location ganz bewusst ausgesucht:

Das Internet ist das Sinnbild unserer Musik.
— Alvin Paris

Seit sich die beiden 2014 kennengelernt haben, lebten sie so gut wie nie in einer Stadt. Über das Internet wurden Songs und Arbeitsschritte zwischen Marokko, Berlin, New York und Köln hin- und hergeschickt.

Herausgekommen ist nun eine EP, die sich definitiv sehen und hören lassen kann. Die Kombination von Matteos fein abgestimmten, smoothen Pop-Beats mit Electro- und Accoustic-Elementen fügt sich puzzleartig mit Alvins klarer Stimme, die weitaus mehr als eine Tonlage beherrscht. Zusammen erzählen sie Geschichten. Die Inspiration für Alvins Texte sind dabei meist ganz persönliche Erfahrungen.

“Walking Blind” heißt die Platte, deren übergeordnetes Thema „die Reise“ ist. Alle sechs Songs sind in räumlicher Distanz der beiden Kölner entstanden. Ob die Reise denn jetzt vorbei ist? Ob sie vorerst angekommen sind? Unschlüssigkeit. Mit gesellschaftlich-normativen Ja/Nein-Schubladen haben es die beiden Künstler nicht so. Ich muss an mein Studium und poststrukturalistische Ansätze à la „Nichts ist, alles ist im Werden“ denken. Irgendwie passend für OTEO, allerdings passiert bei ihnen alles ungezwungen, impulsiv, es muss nicht groß durchdacht werden: „Gut ist, wenn es Spaß macht!“  

Gut ist, wenn es Spaß macht!
— Alvin Paris

Letztes Jahr wohnten sie dann tatsächlich eine kurze Zeit beide in Köln, sogar in einer WG. Aber an den Gewohnheiten beim Musik machen änderte sich kaum etwas: „Wir saßen beide in unseren Zimmern an unseren Laptops und schickten Songs hin und her,“ erzählt Matteo. Und doch hat sich durch die räumliche Nähe einiges geändert. Nicht nur, dass in der Zeit in Köln mehr Songs entstanden sind, vor allem besteht auch die vermehrte Möglichkeit zu Live-Gigs – was OTEO besonders liegt. Das Publikum soll nicht nur stumm zuhören, die Musik soll etwas mit den Menschen machen, sie zum Tanzen animieren. Denn: Matteo und Alvin sind Fans des Nachtlebens, sie gehen selber gerne tanzen und verdienen schon lange ihr Geld mit Bar- und DJ-Jobs oder als Partyveranstalter. Ob sie von OTEO denn schon leben können? „Emotional ja“, grinst Alvin. Für die „unemotionalen“ Dinge, die ein Leben, ein Musiker mit sich bringt, gibt es Paul, den Manager von OTEO. „Ohne ihn“, so die beiden sich selbst betitelnden „Organisationschaoten“, „wären wir heute woanders.“ Egal ob Vertrieb, Booking, Notarztermin oder einfach nur vor dem Interview den Termin bestätigen – auch wir haben gemerkt, dass Paul fester Bestandteil von OTEO ist. Und jemand, den die beiden Musiker nicht nur als Manager, sondern auch als Freund sichtlich schätzen.

À propos: wie kam es eigentlich zu dem Namen OTEO? „Nach langem Überlegen, ist es einfach eine Kombination aus unserer beider Vornamen geworden: Teodor und Matteo“. Wer jetzt verwirrt ist: Sänger Toni aka. Alvin Paris aka. Teodor hat so einige Künstlernamen. Kurz nach der Benennung in OTEO stießen sie im Internet auf eine Herleitung von OTEO, die den Namen noch einmal mehr bestätigte: Laut Urban Dictionary ist OTEO die Abkürzung von  „Offensive To The Easily Offended“ und steht für die Grauzone zwischen den Online-Codes „SFW“ (Safe For Work) und „NSFW“ (Not Safe For Work“). Wer kann seinem Bandnamen schon eine solche Metaebene geben? Und mit dem Namen OTEO ging es dann so richtig los.

„2018 war ein krasses Jahr“ sagt Matteo: Der erste Song kam raus, der erste Live Auftritt stand an, kurz darauf der 2. Platz in der Kategorie Bester Newcomer beim popNRW Newcomer-Award 2018, mit Easily Offended wurde die erste eigene Partyreihe etabliert und zu guter Letzt nun mit Walking Blind die erste EP.

Zum Abschied gibt Matteo uns noch Sticker der Band. Aus dem Diet Coke-Logo wurde Diet OTEO. Ich frage, ob das nun das offizielle Logo von OTEO ist? „Wir tun uns schwer mit „offiziell“, dafür kommen zu viele Quatschideen aus unseren Köpfen,“ sagt Alvin. Klar, so langsam komme ich in der OTEO-Welt an – Einfach den Moment leben ist hier die Devise.

Wer sehen möchte wie das live aussieht, sollte auf keinen Fall die Release Party der Walking Blind-EP im Scheuen Reh am 8. Februar verpassen, die gleichzeitig die dritte Easily Offended-Party ist. Was die beiden besonders freut: einer ihrer Lieblingskünstler, Tender Games wird an diesem Abend ebenfalls auf der Bühne stehen. Los geht’s ab 20 Uhr bei freiem Eintritt.

Und um sich schon mal einzugrooven, könnt ihr hier in die EP reinhören.

Eure Lara & Euer David

OTEO
Zum Scheuen Reh
Tender Games