Reim in Flammen: Von Biergesellschaften und witzigen Frauen

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapoulis

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Es ist Dienstagabend im Club Bahnhof Ehrenfeld. Viele Menschen unterschiedlichen Alters versammeln sich im Hauptraum auf der Tanzfläche. Es ist dunkel, vor der Bühne sind Bierbänke aufgereiht, auf denen gut gelaunte Mädchen und Jungs mit Getränken in der Hand sitzen. Wer keinen Platz mehr bekommen hat, hat es sich am Rand auf dem Boden so gut es geht gemütlich gemacht. Die meisten Zuschauer stehen im hinteren Teil des schlauchartigen Raumes, mit Nähe zur Theke. Ein junger Mann mit wuscheligen Haaren und grauem Longsleeve betritt die Bühne. Die Zuschauer sind still. Für einen kurzen Moment passiert nichts, dann fängt der Mann an ins Mikro zu sprechen und nimmt das Publikum mit auf eine kurze Autofahrt: humorvoll sinniert er darüber, wie er sich an allem festhält, dem Fahrlehrer, dem Griff in der Ubahn, seiner alten Liebe.

Am Ende geht ihr völlig beflügelt, vor Kreativität strotzend nach Hause

Es ist nicht irgendwer, der an diesem Abend im Club Bahnhof Ehrenfeld auf der Bühne spricht, sondern der amtierende deutschsprachige Meister im Poetry Slam, Julian Heun. Der Berliner ist an diesem Abend der Featured Poet bei “Reim in Flammen”, dem nach eigenen Angaben charmantesten Poetry Slam in Köln. Nach ihm werden neun moderne Lyriker aus ganz Deutschland mit selbstgeschriebenen Texten gegeneinander treten. Sechs Minuten haben sie, um das Publikum von ihrem Einfallsreichtum und schreiberischen Genialität zu überzeugen. Zuerst gibt es zwei Vorrunden mit allen Teilnehmern, ins Finale kommen vier Poeten. Die Jury besteht aus zwei spontan erkorene Mitglieder aus dem Publikum “Am Ende geht ihr völlig beflügelt, vor Kreativität strotzend nach Hause”, verspricht Benjamin dem Publikum.

Poetry Slam “Reim in Flammen” gibt es bereits seit 13 Jahren

Den Poetry Slam “Reim in Flammen” gibt es bereits seit 13 Jahren. Genau so lange moderiert Benjamin den modernen Dichterstreit nun schon, gekonnt und mit viel Witz führt er kurzweilig durch den Abend. Gesponsert wird der kreative Austausch von der irischen Whiskeymarke Tullamore D.E.W., die jeden Gast zu Beginn des Abends auf einen Welcome Drink einlädt.

Als erste steigt Helene Victoria Bergemann aus Hamburg in den Ring um den besten Slam. Ihr Text “Klarinette spielen” handelt davon, dass es vollkommen OK ist, wenn man keine schöne Frau ist. Dafür gäbe es sicherlich andere Talente. So wie ihre: “Ich bin mal zur Schule gegangen, nicht so oft, aber es hat mir sehr geholfen”, erzählt sie. Und dass sie immer so sein wollte wie Britney Spears “aber seht mich an, ich bin viel zu schlau”. Ihr Selbsthumor bringt das Publikum zum lachen, die 21-Jährige ist nicht umsonst amtierende Schleswig-Holstein Meisterin.

Auch der renommierte Nik Salsflausen aus Esslingen weiß seine Erfahrungswerte witzig zu verpacken: “Kennt ihr das, wenn man sich was richtig doll wünscht?”, fragt er das Publikum. “Und dann bekommt was man will, aber nicht so wie man das wollte? Wenn man sich ein bisschen Sex wünscht und plötzlich drei Kinder und ein Haus in Leverkusen hat?”
Aber nicht alle Slammer wählen Witz oder Ironie als Stilmittel ihrer Vortragsweise. Christiane Fischer aus Gelsenkirchen möchte das Publikum mit einer Fabel berühren, das von einer kleinen Wüstenblume handelt, die zu Verdursten droht. Sanela aus Köln trägt frei einen ernsteren Text vor, der darüber handelt, dass Gedanken zu Worten werden können und welchen Einfluss dies auf unser Handeln hat. Mehrmals vergisst sie ihren Text und muss ihren Slam unterbrechen. Sie kommt nicht mehr richtig rein. Das Publikum klatscht ihr mutmachend zu, es ist überhaupt eine bemerkenswerte Leistung, als eine der wenigen ohne Notizblätter aufzutreten.

Obgleich der reichen Fülle von vielseitigen Schreibeinfällen, so fällt es auf, dass an diesem Abend die Frauen bei scheinbaren Frauenthemen und die Männer bei vermeintlich typischen Männerthemen bleiben: so slammt Victoria über andere Frauen, Barbara Rohewasser thematisiert befruchtete Eizellen und die mögliche Abtreibung und Pauline Cebulla empört sich über Schönheitsideale und Magersucht. Jonathan Löffelbein wiederum verarbeitet seine Begegnung mit einem FDP Politiker und Rainer Holl hat die Vorstellung, dass in Gesellschaften, in denen Menschen besonders anstrengend sind, das Bier besonders günstig ist “weil die Gesellschaft sonst auseinander bricht.”

Fragt man den 19-Jährigen Jeremy aus Overrath, ist es gerade die Vielfalt, die den Poetry Slam ausmacht. “Ich konnte mich nicht so richtig entscheiden, für wen ich in den Vorrunden klatschen soll, weil ich die lustigen, aber auch die nachdenklichen Texte gut fand”, sagt er in der Pause. Auch Lisa aus Köln findet es gut, dass es unterschiedliche Slammer gibt. Die 27-Jährige ist zum zweiten Mal beim Poetry Slam Reim in Flammen: “Ich finde das Konzept gut, auch, dass es mehrere Runden gibt.”

Am Ende gibt es einen Doppelsieg: Victoria aus Hamburg und Rainer aus Leipzig werden beide mit einer Flasche Whiskey Tullamore D.E.W beglückt. “Reim im Flammen” hat sich nicht umsonst in den letzten Jahren zu einem feststehenden Event in der Poetry Slam Szene manifestiert. Wer mit seinem Date, Kumpels oder der Familie Lust auf urbane literarische Ergüsse hat, die entertainen und zum nachdenken anregen, ist hier genau richtig.

Die Maiausgabe von Reim in Flammen findet am 29. Mai 2018 statt.

Eure Athenea & Charlotte

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Tullamore D.E.W.