5 Gründe, warum jeder einmal im Scala Theater gewesen sein sollte

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapouli-Hariman

*sponsored Post

Was haben eine männliche Nonne, ein erfolgreicher Rächsverdreher und ein tanzendes Schwein auf einem Bauernhof in der Eifel gemeinsam? Und wieso rennt da ein Pfarrer rum, der sich die Hand an den Po hält, als könne er kaum einhalten und schreit „Wenn der Pfarrer schnell zum Waldesrand hetzt, ist das Scheißhaus schon besetzt!?” Entweder, man hat einen verrückten Traum. Oder aber man sitzt im “Scala Theater” am Hohenzollernring und sieht das aktuelle Stück „Do laachs do dich kapott“. Wer noch nicht im Scala Theater alias dem kölschen Lustspielhaus zu Gast war, dem entgeht ein großes Stück volkstümliche Kultur:

1. „Hier ist ein Komödienhaus, hier wird sich auf die Schenkel geklopft”

Die schlechte Nachricht zuerst: Worum es in „Do laachs do dich kapott“ geht, kann man nicht in einem Satz sagen. Die Gute ist: Das muss man auch gar nicht erst probieren. Eine schwule Liebesgeschichte entspringt und breitet sich über das Ganze auf. Ohne erhobenen Zeigefinger wird gezeigt, dass es verschiedene Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen gibt. Dafür kommen ein Schwein, eine Katze, der Hennes Geißbock und ein wunderschöner Hahn auf dem Bauernhof von Griet Kleinapfel in Kimmenich zum Einsatz. Eine Familiengeschichte wird aufgelöst, eine verbotene Liebe taucht auf und viele kleine Liebesgeschichten entspringen diesem Wirrwarr, das eine große Message enthält: Die Liebe gewinnt.

Ralf Borgartz, Geschäftsführer, künstlerischer Leiter und Schauspieler ist das kreative Masterbrain, er schreibt die Geschichten im Scala Theater: „Ich suche Locations wo sich Menschen treffen können, die nichts miteinander zu tun haben. Zum Beispiel am Platz an einer Kaffebud, auf dem Campingplatz oder am Büdchen.“ Heraus kommen verrückte und alberne Szenen, die Kölner Alltagsmomente widerspiegeln oder Themen aus dem Leben aufgreifen. In „Do laachs do dich kapott“ bekommt Homosexualität im Fußball eine Normalität, ohne zu provozieren oder den karnevalistischen Esprit des Theaters in Frage zu stellen. „Hier ist ein Komödienhaus, hier wird sich auf die Schenkel geklopft“, sagt Ralf. „Eine ernstgenommene Tunte ist das Schlimmste, was es gibt.“

2. Die bunten Kostüme

Das Karnevalistische findet sich nicht nur in der Geschichte mit all ihren Nebenhandlungen wieder, sondern auch in den Kostümen des Ensembles. Ein Besuch im Scala Theater und man hat Inspiration für die nächsten drei Karnevalssessionen. Jedes Jahr aufs Neue kann man sich in ein halbes Dutzend wunderschön gestaltete und liebevoll zusammengesteckte Kostüme verlieben. 89 Requisiten liegen hinter der Bühne parat und kommen in „Do laachs do dich kapott“ zum Einsatz: Körbe, Zeitungen, Fahrradlenker, Schubkarren oder komplette Kostüme: Überall liegt etwas rum und trägt zum göttlichen Humor der Geschichten bei.

3. Die einzigartige Spielart

Im Scala Theater wird eine alternative Spielart gelebt, wie es sie sonst nirgends gibt: Es gibt gewollte Aussteiger aus dem Stück. Es kann passieren, dass ein Schauspieler bewusst aus seiner Rolle aussteigt, seinem Gegenüber am Kostüm rumfummelt und sagt: „Du hast hier etwas, das stört mich schon die ganze Zeit, das muss ich jetzt einmal entfernen“. Es sorgt für Überraschungen und wird sogar von den Zuschauern erwartet. Was woanders ein No Go ist und ein Kündigungsgrund sein kann, wird hier zelebriert. Eingeführt wurden die Aussteiger von Theatergründer und Kultregisseur Walter „Wally“ Bockmayer. Er nahm alles auf die Schippe und löste Zauber in Witzen auf. Diesen Stil haben Ralf und sein Lebensgefährte Arne Hoffmann erlernt und aufgesogen. Die Stücke und die Spielart erlauben etwas, das nicht alle Schauspieler können oder wollen. Ralf: „Was wir hier an Theaterspiel und Ästhetik fordern, nämlich, dass man aussteigt und lacht, das wäre woanders ein fristloser Kündigungsgrund. Das ist eigentlich ein totales No-Go, das viele Schauspieler auch nicht wollen, weil es immer ein wenig amateurhaft wirkt.“ Die professionelle Lächerlichkeit ist in Wahrheit eine feine Freiheit, die Zuschauer und Schauspielern gleichermaßen Freude bereitet.

4. Ein normales Ensemble? Nicht im Scala Theater!

Woanders steigen Schauspieler manchmal so tief in die Rolle ein, dass sie später behaupten, die Julia richtig gefühlt zu haben. In dem Stil, wie im Scala gespielt wird, geht das gar nicht. 13 Schauspieler teilen sich acht Positionen. Da kann dann auch mal ein 45-Jähriger einen Napoleon spielen oder einen uralten Mann, der denkt, er sei Napoleon. Im Scala wird das Ego aufgelöst, dass nur einer eine bestimmte Rolle kann. Wer am Abend auf der Bühne steht, kann man beim Betreten des Theaters sehen. „Bei uns ist das Stück der Star und nicht die einzelne Person“, erklärt Arne. Dem zweiten Geschäftsführer, Theaterleiter und ebenfalls Schauspieler ist es schon wichtig, dass man die Menschen dahinter sieht, deshalb wird auch transparent gezeigt, wer auf der Bühne steht. „Aber wir werfen nicht mit großen Namen. Bei uns spielt immer das beliebte Scala Ensemble“, sagt er. Einzigartige Schauspielkonstellationen machen das Theater unmittelbar. Das was man sieht, sieht man so nur an einem Abend. „Theater ist vergänglich und nur für den Moment“, sagt Ralf. Bei Filmen kann man zurückspulen, im Theater geht das nicht. Man kann sich gar nicht alles behalten. Dafür kann man „für den Moment lachen“ ergänzt Arne.4.

5. Die Menschen hinter dem Scala Theater

Im Scala gibt es keine Sitzplatzreservierung. Um 15 Uhr stehen deshalb die ersten Zuschauer vor den Türen des Theaters und warten auf Einlass. Die freie Platzwahl mag bei dem ein oder anderen zu schlaflosen Nächten führen. Wer ins Scala Theater geht, ist darauf vorbereitet und plant die Zeit ein. Wieso? Weil man die Menschen im Theater unbedingt sehen möchte! Satirischen Geschichten, herrliche Kostüme und kölsche Mundart zum Mitsingen ziehen einfach an. Was daran liegt, dass Ralf und Arne das Vermächtnis und Konzept von Wally weiterleben lassen. Seit 24 Jahren ist das Paar zusammen, seit 1998 arbeiten sie für das Scala Theater. Wenn Ralf über das Volkstheater spricht, funkeln seine Augen wie später manch ein Kostüm auf der Bühne. Wer Tickets fürs Scala Theater kauft, bekommt nicht einfach Schauspiel und einen netten Abend. Arne und Ralf verkaufen eine Botschaft, eine schrille und herrliche Erzählung, in die man als Zuschauer eintaucht und sich verliert. Gepickt mit derbem Humor, satirischen Momenten und dem Versprechen, dass alles ganz anders sein kann. Nach der Vorstellung fällt es einem schwer, diese bessere und buntere Welt zu verlassen. Das bekommen Ralf, Arne und das Team auch von den Gästen gesagt. Nach jeder Vorstellung steht das Team an den Treppen und verabschiedet die Gäste. Dann hören sie rührende Geschichten von älteren Damen, die sich die Treppe hochziehen, die Freude steht ihnen ins Gesicht geschrieben. „Mein Kind liegt im Krankenhaus“ oder „Mein Mann ist gestorben“ sagen sie. Und fügen schnell hinzu „Für ein paar Stunden konnte ich das alles vergessen und einfach Lachen“.

Tickets für die Vorführungen bekommt ihr über die Webseite vom Scala Theater.
Wir finden: der Besuch im kölschen Lustspielhaus sollte verpflichtend für alle Kölner sein.

Eure Charlotte & Athenea

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel.