(P)op Kölsch zieht mit Open Air in den Tanzbrunnen

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapouli-Hariman

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Vor einigen Jahren saß Stefan Knittler in seinem Auto. Im Radio lief „Purple Rain” von Prince. Aus einer Laune heraus sang er den Song mit – aber auf Kölsch! Diese spontane Eingebung ist mittlerweile zu einem bekannten Event herangewachsen: (P)op Kölsch. Seit mehr als acht Jahren tritt Stefan mit Band im Gloria auf, sie singen und spielen internationale Popsongs auf Kölsch. Und alle Zuschauer singen mit. Nächsten Samstag werden die Kreise nun größer gezogen: Am 15. September findet das (P)op Kölsch Open Air im Tanzbrunnen statt. Wir haben Stefan vorab getroffen. Im Protokoll erzählt er, wie alles anfing:

„Musik ist mir irgendwie zugeflogen. Als Kind habe ich im Domchor gesungen. Das ist der Knabenchor vom Kölner Dom, den gibt es seit mehr als 150 Jahren. Wir haben dreimal die Woche geprobt und jeden Sonntag im Dom gesungen. Das Gefühl, dort zu singen, ist fast unbeschreiblich. Es ist ein hochprofessioneller Chor mit tollen Leuten und gemeinsam lässt man in diesem Moment Musik entstehen. Das ist unglaublich einzigartig. Es war natürlich auch Arbeit. Aber so lange ich Leuten Musik auf die Ohren drücken kann, geht es mir dabei sehr gut.

Ich habe nie beschlossen, ein Instrument zu lernen. Ob Gitarre, Klavier, Orgel oder Schlagzeug: Das habe ich mir alles selbst beigebracht. Ich bin an keinem der Instrumente ein Virtuose. Aber wenn man hier und da ein bisschen ausprobiert, findet man auch seinen eigenen Weg. Ich konnte mal perfekt Noten lesen, doch über die Jahre habe ich das verlernt. Weil ich es nie brauchte, Musik merke ich mir. Text brauche ich ab und an! Doch wenn es nicht zu abgedreht ist, weiß ich relativ schnell, was ich auf der Gitarre zu tun habe. Mitte der Achtziger Jahre, als ich so zwanzig war, war ich Schlagzeuger bei der Band „Bagdad Babies“. Das war die Zeit von U2 und Simple Minds. Wir haben Rock-Pop gemacht, waren anfangs ein Geheimtipp und haben später auf Festivals gespielt. Das war eine super Zeit! Bis Anfang der 1990er Jahre ging das, dann löste sich das leider sehr schnell auf.

Aufs Hobbymusizieren hatte ich jedoch keine Lust. Also machte ich 1992 meinen Frieden mit der Musik und einen Haken hinter das professionelle Musikerdasein. Ich habe dann zehn Jahre in der IT gearbeitet, bis 2002. Dann bin ich auf die Mitsinginitiative „Loss mer singe“ gestoßen und habe 2006 das Lied „Loss mer singe“ komponiert. Aus Spaß hatte ich einen Bezug zur Kölschen Musik gefunden. Eines Tages während dieser Zeit fuhr ich irgendwohin mit meinem Auto. Im Radio lief „Purple Rain“ von Prince. Ich habe mitgesungen, doch das Lied in kölschen Text übersetzt. Für mich, einfach aus einer Laune heraus. Und irgendwie fand ich gut, dass das klappt. Nur „purple“ funktionierte nicht, daraus habe ich „rude“ gemacht. Das Lied habe ich dann so aufgeschrieben, von “Rude Rän” ein Demotape gemacht und unter falschem Namen an die Veranstalter von “Loss mer Singe” geschickt. Das war einfach nur ein Joke. Dann bin ich in den Urlaub gefahren. Als ich wiederkam, hatte ich einige Anrufe, die ich mir erst mal nicht erklären konnte. Das Festkomitee und eine Plattenfirma fragte: Was bist du denn für ein komischer Vogel? Was ich vorhätte und ob ich mir nicht vorstellen könnte, das wirklich zu machen. Das hat denen also gefallen! Ich habe nur kurz überlegt und mich dann dazu entschieden, vom Schlagzeuger zum Frontman zu wechseln. Also vorne stehen und singen. Habe ich vorher noch nie gemacht. Doch wenn das Schicksal meint „Komm, du darfst noch mal“, dann denkt man nicht lange nach. Seitdem stehe ich mit kölscher Musik oder bei der Mitsinginitiative Loss mer singe auf der Bühne.

Der Prince Song sollte aber nicht der einzige Kölsche Song sein. Da kamen dann irgendwann immer mehr. Ich übersetze die Songs ins Kölsche, weil die Ergebnisse total abgefahren sind. Irgendwann hatte ich ein paar Songs zusammen und es gab die Überlegung, damit eine Show zu machen. Ich bin mit der Idee zu den Gloria Leuten, weil ich den Raum dort sehr mag. Die haben die Idee von Anfang an mitgetragen und deshalb haben wir das einfach mal gemacht. Das war 2010.

Mittlerweile habe ich mehr als 130 Lieder übersetzt. Das Wissen, ob man einen Song übersetzen kann, gibt es ganz selten. Nicht alles lässt sich übersetzen. Die Lieder von Michael Jackson zum Beispiel klingen auf Deutsch oder Kölsch total profan. Woran das liegt, weiß ich nicht so genau. Dieser ganz spezielle Michael Jackson Irrsinn funktioniert irgendwie nur auf Englisch. Dann gibt es das Gegenteil: „Hotel California“ zum Beispiel. Den Text habe ich 1:1 so runtergeschrieben. Obwohll das eine durchgeknallte Geschichte ist, hat das supergut funktioniert. Was sich machen lässt, ist letztendlich auch immer eine Glückssache.

Wenn ich zurückblicke, fühlt sich das total verrückt an. Alles was man sich ausmalt ist weit übertroffen wurden. Wir hatten von Anfang an volle Hütte, das war schon bizarr. Es war immer ausverkauft. Ich habe einfach fast alle Größen der kölschen Musik da auf der Bühne gehabt: Von Henning Krautmacher über die bis damals noch unbekannten Kasallas. Musikalisch haben wir auch von Anfang an ganz tolle Qualität abgeliefert. Das liegt jetzt weniger an mir muss ich sagen. Sondern einfach daran, dass wir überragende Musiker dabeihaben. Auf der Bühne sind wir bis zu 15 Leute und alle hängen ihr Herzblut da rein! Das ich irgendwann mal auf einer Bühne stehe vor fast tausend Leuten, das ist für mich immer noch schwer zu greifen. Das ist einfach ein überragendes Geschenk.

Als Band sehen wir uns ein bisschen wie ein Länderspiel. Wir sehen uns nicht jeden Tag, sondern kommen für das Projekt zusammen und arbeiten. Wir haben dann also nur sehr wenige Proben vorher und dann steht man auch schon auf der Bühne. Es ist schwer zu beschreiben, aber einfach ein tolles Gefühl. Wenn das Ding einmal rollt, habe ich auch keine Angst mehr: Weil ich eine großartige Band hinter mir habe. Die erzeugen so eine Wucht und Kraft, da kann dir vorne eigentlich gar nichts mehr passieren.

Ich habe durch (p)op Kölsch fast alles erlebt, was man als Künstler so erleben möchte. Aber klar, wenn ich mir was wünschen könnte, dann, dass möglichst viele Leute den Spaß an der Musik miterleben und Teil werden. Die Band bringt soviel Liebe zur Musik mit und rüber, das möchte ich mit vielen Menschen teilen können.“

Das (P)op Kölsch Open Air ist kommenden Samstag, am 15. September, im Tanzbrunnen. Tickets gibt es ab 30,81 Euro.

Eure Charlotte & Athenea

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit der Agentur 190a.