Autofrei beim Tag des guten Lebens 2018

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapoulis

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Niemals hätte ich gedacht, dass der 1. Juli 2018 der Tag wird, an dem ich zum ersten Mal barfuß durch die Stadt laufe. Ich bin nicht so der barfußläufer in der Stadt. Weder habe ich Lust, aus Versehen in Dreck zu treten, noch mir meinen Fuß an einem Hindernis aufzureißen. Schuhe sind für mich eine sinnvolle Erfindung und ich investiere gerne darin. Manchmal etwas zu gerne. Und dann kam der Tag des guten Lebens.

Der Tag des guten Lebens macht die Stadt autofrei

Wie kommt es nun, dass ich meine Prinzipien ablege und barfuß durchs Agnesviertel laufe? Spulen wir zurück, zum Anfang. Am 1. Juli war der Tag des guten Lebens. Bereits zum fünften Mal organisierte die Bürgerinitiative Agora ein autofreies Nachbarschaftsfest, das dazu einlud, sich die Straßen zu eigen zu machen. Von der Südspitze Eigelstein bis zur Agneskirche und über die Weidengasse, den Ebertplatz und Sudermann-Platz rund um die Alte Feuerwache waren die Straßen für Autos gesperrt. Stattdessen fanden sich Tische, Bühnen, Infostände und Fressbuden auf den Straßen: Über 200 verschiedene Aktionen fanden statt, geplant und organisiert von Anwohnern, Vereinen und der Bürgerinitiative.

Es geht um Gemeinschaftlichkeit und kollektive Kreativität in der Nachbarschaft

Ziel vom Tag des guten Lebens ist es, dass Kölner ihren Stadt-Raum selber gestalten und dadurch neu erleben. Es geht um Gemeinschaftlichkeit und kollektive Kreativität in der Nachbarschaft und um Gestaltung des eigenen Lebensraumes. Zum Beispiel konnte man seine Wünsche aufschreiben, die die Frage beantworten: “Wie willst du wohnen?”. Zwei Häuser weiter steht eine Bühne auf der zwei Rapper ihre Seele hinausbattlen. Auf einem bunten Sofa lümmelt ein kleines Kind, drumherum stehen Fotografien. Szenen wie diese gehören zum Tag des bunten Lebens: An allen Ecken und Enden wird das Viertel gelebt.

Zahlreiche Aktionen laden ein, das Viertel zu erkunden

Am Ebertplatz spielt das Ebertplatz-Orchester und eine Liegewiese lädt zum rumfläzen ein. Das machen wir doch glatt, bevor es auf weitere Entdeckungstour geht. Auf einmal werde ich von Pina Buhse aus dem Team Kommunikation von der Initiative angesprochen. Ob ich nicht Lust hätte, das Bingo des guten Lebens zu spielen. Die Aufgaben ergeben sich aus dem vielen, das neben dem Fest passiert. Das Bingo soll einen kleinen Anstupser geben, noch aufmerksamer durch den Tag zu gehen: “Höre dir ein ganzes Musikstück an, ohne dabei mit jemandem zu reden” lautet eine Aufgabe. Oder: “Gehe auf eine Toilette in einer Privatwohnung (und frag vorher nett)”. “Mit dem Bingo soll man sich auf etwas Neues im Veedel einlassen, um neue Orte und Menschen kennen zu lernen”, erklärt Pina.

Insgesamt 25 Vorschläge macht das Spiel. Ich schaffe gerade mal vier und fahre so zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Lastenrad (Ui! Ich brauche drei Anläufe, bis es klappt), esse eine Waffel von einem privaten Waffelstand (das einfachste in der Welt für mich), gehe allein in eine Straße, in der nichts los ist und genieße die Stille (Zugegeben, das war eine kleine Herausforderug, denn in fast allen Straßen war etwas los) und laufe eben hundert Meter barfuß durch das Veedel (war gar nicht so schlimm).

2019: Eine eigene Aktion beim Tag des guten Lebens?!

Am Tag des guten Lebens kann man unglaublich viel sehen, machen, essen, hören und entdecken. Von 11 bis 20 Uhr waren keine Autos in dem Viertel erlaubt und die autofreie Zone bot schier unendlich viele Möglichkeiten. So treffe ich auf Regina Kaiser, die am Ebertplatz einen privaten Stand hat, an dem man aus alten Konserven Bienen- und Insektenhotels basteln kann. “Ich wollte etwas Sinnvolles mit den Dingen machen, die man ansonsten wegschmeißt”, erklärt sie. Warum? Einfach so, aus Spaß an der Freude, wie sie so schön sagt. Um 7 Uhr morgens fing sie an, aufzubauen und genoss ab dann den Tag - ebenso wie wir.

Wir freuen uns schon sehr auf den Tag des guten Lebens 2019 und sind gespannt, in welchem Viertel das autofreie Nachbarschaftsfest dieses Mal sein wird. Außerdem überlegen wir, angestachelt von soviel Spaß, einen eigene hyperlokale Aktion zu organisieren. Wenn ihr Ideen habt, die ihr gerne sehen oder machen wollt, dann hinterlasst uns doch gerne einen Kommentar.

Eure Charlotte & Athenea

*Sponsored Post: Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel Kölsch