W E A R E C O L O R F U L – ZU BESUCH BEI: BEN TAUSEND

Text: Jacqueline Skvorc & Fotos: David Heyer

Dass Köln eine bunte Stadt ist, wissen mit Sicherheit die meisten von euch. Dass sich hier aber auch einige sehr begabte, authentische und charismatische Tattoo-Künstler tummeln, wollen wir euch mit der Reihe we are colorful zeigen. Wir, das sind David und Jaci. We are colorful stellt euch einige Tätowierer und Tattoo-Studios aus Köln vor, die uns mit ihrer Kunst, ihrem außergewöhnlichen Stil oder ihrem besonderen Studio begeistern – damit Köln noch bunter wird. Jaci schwingt den Stift für euch, David fotografiert analog.

A B O U T  M E : Unglaublich herzlich werden wir von Ben an seiner Wohnungstür begrüßt – direkt zaubert er uns mit seiner offenen und einladenden Art ein Lächeln ins Gesicht. Ein sehr charismatischer junger Mann, dem man seine Liebe für Kunst und Tattoos direkt ansieht. Sein erstes Tattoo hat er sich mit 18 stechen lassen. Damals war er viel in der Graffiti Szene in Darmstadt unterwegs und ließ sich von Sturm und Drang in dieser Kunst inspirieren und treiben. Die Affinität zur Kunst weitete sich aus, als Ben 2007 zum Studium nach Berlin zog und sich dort dem Grafik-Design widmete. Heute arbeitet er Teilzeit als Art Director in einer Kölner Werbeagentur und designt und sticht Tattoos. Aber seit einiger Zeit nicht mehr an der Maschine – „Das war mir zu stressig und zu laut. Ich mag die meditative und rituelle Arbeit.“ Deswegen verwendet Ben eine besondere Technik beim Tätowieren, nämlich das Handpoke. Ihm ist es wichtig, dass das Tätowieren ein Handwerk bleibt. 

A B O U T  M Y S T U D I O : Bens Wohnung ist auch gleichzeitig sein Studio. Auch hier erkennt man direkt die künstlerische Ader: geometrische Formen, Postkarten, große Bilder. Alles scheint zusammen zu passen und seinen bestimmten Platz zu haben. So, als würde die Wohnung ein einziges großes Kunstwerk sein. Warum er zuhause arbeitet? „Ich möchte, dass meine Kunden sich wohlfühlen und in eine entspannte Atmosphäre eintauchen können. Hier gibt es nur mich und den Kunden.“ "Klinische und hygienische Studios kennt er auch von früheren Arbeitsstellen, doch die Dynamik eines öffentlichen Studios ist nicht so seins. In seinem Zuhause fühlt Ben sich wohl und arbeitet mit mehr Entspannung und Ausgewogenheit – und das macht sich auch in den Kunstwerken auf der Haut seiner Kunden bemerkbar. Diese besondere temporär sehr intime Situation, während der Ben einem anderen Menschen in die Haut sticht, möchte er für alle Beteiligten so entspannt wir nur möglich gestalten. Eine gute Stimmung und positive Vibes sind ihm hier außerordentlich wichtig. „Die Leute kommen gerne wieder, wenn sie sich wohlgefühlt haben und es auch Zeit für Gespräche gibt.“ 

A B O U T  M Y S T Y L E : Wenn man sich den Instagram Account von ben_tausend anschaut, erkennt man viele geometrisch-minimalistische Motive. Klare Linien, Formen und Dotwork-Übergänge dominieren das Lookbook. Nur Blackwork, keine Farben. Er hat in den letzten Jahren viel ausprobiert, bis er dort gelandet ist, wo er heute ist und was er heute sticht. Er liebt das Design, das von Reduktion lebt, die Aufgeräumtheit und die Klarheit von Motiven. Ganz deutlich zu erkennen: Die Liebe zu Kunst und Design. 

L I E B L I N G S M O T I V : Das gibt es – ein ganz klares J A von Ben an dieser Stelle. Ein sehr guter Kumpel von ihm und Techhouse DJ aus Brasilien trägt auf der Haut, natürlich von Ben mit seiner Hand Poke Nadel gestochen, einen Körper in Rautenform. Darauf gesetzt einen Kopf mit Hut, inspiriert von den Künstlern René Magritte und Maurits Cornelis Escher. Neun Stunden lang hat er dieses Kunstwerk seinem Freund in die Haut gestochen. Mit unzähligen Schattierungen versehen zeigt Ben es heute noch als liebstes Referenztattoo vor. 

K Ö L N : Ob Köln für ihn eine Tattoo-Stadt ist? „Nein, auf keinen Fall – aber eine bunte Stadt.“ 

I C H  M Ö C H T E  N I E M A L S  S T E C H E N : Diesen ganzen kitschigen Kram, den mag Ben nicht. Feen, Elfen, Schnörkel und verzierte Schriften kommen aus seiner Nadel niemandem unter die Haut. Und auch keine religiösen Motive, NS-Zeichen oder rechtsradikale Schriftzüge. Niemals. 

I C H M Ö C H T E  U N B E D I N G T  S T E C H E N : Bildlich hat er hier kein Motiv im Kopf, das er gerne jemandem auf die Haut zaubern würde. Doch was er sich wünschen würde, wäre ein komplettes Sleeve mit Handpoke zu stechen. So dass nach ewig langer Stechzeit einen Menschen ein wahnsinniges Kunstwerk ziert, das ohne Elektrizität gestochen wurde. Natürlich von Hand – denn für ben_tausend ist Tätowieren immer noch ein traditionelles Handwerk. Und das soll es auch immer bleiben. 

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Die Künstler-Box:

Ich heiße: Benjamin Tauber.
Stil:Handpoke mit geometrisch-minimalistischen Motiven. Nur Blackwork, keine Farben.
Mein Studio heißt: ben tausend.
Adresse: Gibt es bei Terminvergabe, da es ein Home-Studio ist.
Termine frei? Auf jeden Fall – zur Mitte des Monats wird die Terminvergabe für den nächsten Monat geöffnet.
Am besten kontaktiert man mich über: instagram – ben_tausend.
Eigene Tattoos: Vor dem Arm-Sleeve 16, jetzt 12.
Köln ist für mich: aufgeschlossen.
Was ihr unbedingt wissen müsst: „Meine Handpoke Technik tut – entgegen der gängigen Meinungen – wirklich nicht weh. Handpoke beinhaltet alleridngs schmerzhafte Techniken, welche ich weitestgehend vermeide.“
Meine Message für Köln: „Werde nicht wie andere Städte – ich mag Köln so, wie es ist. „Liebe deine Stadt“ passt einfach hierher. In Berlin lieben die Menschen ihre Stadt kaputt, aber hier gibt es eine pure und ehrliche Liebe.“

Eure Jaci & David