The Bär: Marcos bunte Gin Welt

Text: Lara Kersken & Bilder: David Heyer

Der Gin des Lebens. Let the evening be Gin. Ich bin Gin und Weg.

Seit der Gin vor einigen Jahren wieder richtig in Mode kam, sprießen nicht nur die Sprichwörter rund um den Wachholderschnaps nur so aus dem Boden – auch Bars, die sich auf Gin spezialisiert haben, gibt es mehr und mehr – auch in Köln. Aber keine davon ist wie Marcos Rivas “The Bär” in Ehrenfeld. Wir haben uns mal angeguckt, warum das so ist.

An einem verregneten Januarabend sind David und ich zu einem ganz besonderen Gin-Abend in der Thebäerstraße eingeladen – und ja, das “The Bär” ist nach seiner Adresse benannt. Von der Thebäerstraße geht es an diesem Abend aber ohne Umweg gen Süden: Italien ist das kulinarische Ziel. Denn heute findet zum ersten Mal Marcos neuestes Gin-Tasting Format “Around the world in 80 Gins” statt. Das Prinzip ist so einfach wie schön, denn bei dem Dinner-Event wird jeder Gang durch einen anderen landestypischen Gin ergänzt.

Während die Tische sich langsam füllen – die acht Tische sind natürlich alle ausgebucht – wird auch schon der Aperitif  serviert – es steht Begin’i, eine fruchtige Bellini-Gin-Variante, und ganz klassisch Negroni zur Wahl, der in diesem Jahr 100-jähriges Jubiläum feiert.

Umrahmt von Live-Musik sitzen nun 18 Gäste in lauschiger, gemütlich-intimer Dinner-Atmosphäre in einem Setting zusammen, in dem es viel zu entdecken gibt.

Viel Liebe zum Detail steckt im The Bär: Bärenbilder an den Wänden, eine große Spielesammlung, viele besondere Vintagemöbel und dazwischen immer wieder überraschende Einrichtungsbrüche wie eine Star Wars Luftmatratze oder ein bunter Fernseher, der als Lampe fungiert. Wer auf fancy „Schicki-Micki“-Bars steht, ist hier fehl am Platz. Die Retro-Einrichtung im The Bär ist ein Augenzwinkern, der Spaß steht im Vordergrund. Sehr ernst hingegen wird die Qualität der Drinks genommen! 160 verschiedene und sorgfältig ausgewählte Gin Sorten führt der leidenschaftliche Gin-Fan Marcos momentan – bis zum Ende des Jahres sollen es 300 werden. Das bedeutet für ihn: „jede Menge trinken, jede Menge lernen“.

Unsere Gin-Auswahl für diesen Abend ist bereits getroffen. Drei verschiedene Gin-Tonic-Variationen wird es passend zu Vorspeise, Hauptgang und Dessert geben.

Bevor es mit der Vorspeise losgeht, betritt ein neues Gesicht den Raum: Marco, der Gründer von “Rivo Gin” vom Comer See gibt eine kurze Einführung zu seinem Gin, der vom Barbesitzer als „bester Gin Italiens“ betitelt wird. Liegt es an den 12 Kräutern, die dem Rivo zugefügt werden? Oder an der Unternehmensphilosophie, nur dann zu produzieren, wenn die Natur es erlaubt? Was auch immer den Rivo mit seinem detailverliebten Etikett so besonders macht – die Verköstigung muss bis zur Hauptspeise warten.

Los geht es mit dem italienischen Vorspeisen Klassiker Bruschetta gepaart mit dem zitronigen “Il Gin del Professore”. Eine Hommage an den Barkeeper Jerry Thomas, einen legendären Barkeeper des 19. Jahrhunderts, dessen Spitzname Il Professore war. 

Verblüffend, wie gut der Austausch von der typischen italienischen Wein-Begleitung hin zur Gin-Begleitung funktioniert. Besonders die Gin-Tonic-Kreation zum Hauptgang kann uns sehr überzeugen: zum Pilzrisotto mit Hähnchen-Spießen serviert Marcos den Rivo Gin, den wir bereits kennengelernt haben. Dieser Drink schmeckt auch ganz hervorragend zu unseren vegetarischen und veganen Hauptgang-Varianten.

Aber es würde sicherlich nur halb so gut schmecken, ohne Marcos hinter der Bar und seine Freundin Judith, im Service. Im Herbst 2016 hat der Argentinier das The Bär eröffnet, anfangs noch als „normale“ Cocktailbar. Die Spezialisierung auf Gin kam erst einige Monate später. Bis sich der Barbetrieb etabliert hatte, dauerte es eine Zeit. Keine einfache Zeit, wie Marcos erzählt. Heute hat er sich einen Namen gemacht: regelmäßig bietet er Gin-Tastings an, Spieleabende oder Art Nights. Und nebenbei engagiert er sich mit seiner Bar auch noch auf sozialer Ebene, denn das The Bär nimmt am Projekt „Share the Meal“ teil. Wie das geht? Für jeden Gin Tonic, der am Wochenende verkauft wird, wird ein hungerndes Kind einen Tag lang ernährt. Noch ein Grund mehr bei Marcos vorbeizuschauen.

Für uns neigt sich der Abend dem Ende zu. Das Dessert wird serviert und mit ihm der dritte Gin-Tonic des Abends: Limetten-Minz Tiramisu einhergehend mit dem mit dem Malfy Gin con Limone aus Turin. Ein herrlicher Abschluss, der uns mit einem Hauch Sommer in den Abend entlässt.

Mittlerweile ist es halb zehn und die ruhige, intime Restaurant Atmosphäre wird mit dem steigenden Gin Konsum lebhafter. Ein guter Moment, mit Marcos draußen einmal frische Luft zu schnappen. Unübersehbar: Der Premierenabend von “Around the World” war aufregend für ihn. Die nächste Station auf der Gin-Welttournee ist Spanien am 9. März. 70 € kostet die kulinarische Gin-Exkursion, die jeden 2. Samstag im Monat stattfindet. Oder man besucht das The Bär einfach zum ganz normalen Barbetrieb von Dienstag bis Samstag ab 20 Uhr. Hier gilt: B.Y.O.F., Bring your own Food. Die Gäste können sich ihr Essen einfach mitbringen oder ins The Bär liefern lassen – man soll sich ganz wie zuhause fühlen! „Manche Gäste tun das manchmal etwas zu sehr“ lacht Marcos. Aber damit ist er auch an seinem Ziel: eine Gin-Bar, die mittlerweile einen Namen in Köln hat und sowohl Stamm- als auch Neukunden anlockt.

Als wir wieder hineingehen, sind bereits die ersten Bar Gäste eingetrudelt und machen es sich in den einladenden Sesseln bequem.

Für Marcos und sein Team beginnt nun der zweite Teil des Abends. Unser Ausflug in das sonnige Italien geht zu Ende. Unsere neue Gin Begeisterung hat gerade erst begonnen.

Eure Lara & Euer David

The Bär
Share the Meal