thecolognebiennial: Neue Talente treffen auf Künstler-Giganten

Text: Elena Braun & Foto: Nathan Ishar

Der Künstler Christo ist uns allen spätestens seit der Verhüllung des Reichstags bekannt. Aber auch ein weltbekannter Künstler hat mal klein angefangen, hatte Vorbilder und künstlerische Einflüsse. The Cologne Biennial hat nun den einmaligen Zugang zu Frühwerken von bekannten Künstlern wie Christo bekommen, darunter der Fotograf Andreas Gursky und der Maler Sigmar Polke. Diesen werden die aktuellen Werke von zwölf jungen Nachwuchstalenten gegenübergestellt. Durch die verbindendende Kontextualisierung gelingt in der Ausstellung ein sehr einfacher Zugang zu zeitgenössischer Kunst. Ein gelungenes Konzept und daher eine große Empfehlung!

Wir Kuratoren begegnen uns auf Augenhöhe, wie die Künstler der Ausstellung.
— Kurator & Direktor der new talents - cologne biennale Jochen Heufelder

Nicht nur die Kunstwerke verbinden neu und etabliert, auch das Kuratoren-Team setzt sich nach diesem Konzept zusammen. Der Direktor der Biennale Jochen Heufelder hat sich als Kurator Wilko Austermann aus Mönchengladbach mit ins Boot geholt. Am Anfang der Zusammenarbeit standen die Frühwerke aus der Sammlung Sal. Oppenheim, dann wurden im Januar die Werke der Absolventen aus Köln, Düsseldorf und Siegen ausgewählt. „Dazu haben wir uns die Rundgänge von Hochschulen angesehen und unsere Favoriten besprochen“, erzählt Wilko Austermann im Gespräch. Im März folgte dann das Raumkonzept, das akribisch vor Ort erarbeitet wurde.

Eine gelungene Ausstellung auch für „Kunst-Einsteiger“

Falls ihr bisher dachtet, zeitgenössische Kunst ist nichts für euch, seid ihr hier genau richtig. Durch die Kombination der Künstler bekommt jedes Werk einen Kontext, der den Einstieg erleichtert. Die Zusammenstellung der Kunstwerke passiert auf thematischer und formaler Ebene.

Wir wollen einen Aha-Effekt beim Betrachter auslösen: Diesen Künstler habe ich doch schon einmal gesehen!
— Kurator Wilko Austermann

Den Kuratoren Jochen Heufelder und Wilko Austermann ist eine sehr gute Zusammenstellung gelungen.

Ein Beispiel: In einem großem Raum ganz am Anfang hängen eine Fotografie von Andreas Gursky und eine bemalte Leinwand aus Blättern von dem Kunstakademie-Absolventen Domingo Chaves gegenüber. Seitlich an der Wand hängt ein Druck von Inessa Emmer. Was alle verbindet: Durch das Einfügen von Rastern schaffen sie mehrere Ebenen, jeder auf seine Weise. Aber auch inhaltlich sehen wir eine Verbindung: Alle Werke zeigen einen fragenden Blick auf Natur. Gursky spaltet eine Schafsherde durch die Linien eines Lärmschutzwalls, Chaves schneidet Blätter in Rechtecke und verbindet sie wieder. Emmer mischt flächige Drucke mit feinen Mischwesen aus Mensch und Tier. Durch die Hängung ergibt sich zudem der Blick in den Nebenraum, wo ein abstraktes Gemälde plötzlich wie die farblich passende Erweiterung des Bildes wirkt. Viele der Künstler tauchen auch noch einmal woanders im Gebäude auf und erschaffen so eine Vernetzung zu noch mehr Werken.

Der Zugang zu den Frühwerken aus der Sammlung war eine einmalige Chance.
— Kurator Wilko Austermann

Seit 2008 wurde das Agrippaviertel zum Schauplatz der „new talents – cologne biennale“ und bot eine Bühne für verschiedenste Kunstrichtungen. Dieses Jahr beschreiten die Veranstalter um das Stadtmarketing Köln neue Wege und konzentrieren sich nur noch auf Medienkunst und Bildende Kunst, ausgehend von den Frühwerken aus dem Sammlung Sal. Oppenheim. Dem Veedel ist man treu geblieben und nutzt ein leerstehendes Bürogebäude, das von der DEG zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt wurde. Das Haus ist einfach erkennbar, da die Fassade bei den new talents in 2016 von der Künstlerin Julia Gruner bemalt wurde.

Eine kreative Zwischennutzung für das leerstehende Bürogebäude

Die drei verfügbaren Stockwerke des Gebäudes werden auch selbst sehr in die Ausstellung mit einbezogen. Zum Beispiel hängt der malerisch fotografierte Kühlschrank von Julius Brauchmann natürlich in der früheren Büroküche. Besonders auffallend sind dabei natürlich die „ortsspezifische Malerei“ – wie Wilko Austermann sie nennt –, die Salvatore Picone angefertigt hat. In einem Raum im Erdgeschoss sowie im Treppenhaus hat er sich von der Architektur des Gebäudes inspirieren lassen und verbindet das mit Gemälden, die zusätzlich angebracht wurden.

Es könnte gut sein, dass die zwölf ausgestellten Absolventen in 20 oder 30 Jahren selbst zu den großen deutschen Künstlern gehören und neben Christo und Andreas Gursky genannt werden.

The Cologne Biennial
Die Ausstellung ist bis 29. April 2018 zugänglich.
Großer Griechenmarkt 2, 50676 Köln

Mittwoch bis Freitag 14-19 Uhr
Samstag und Sonntag 12-18 Uhr
Am Freitag, 20.04.2018, ist bis Mitternacht geöffnet!

Eintritt kostet 7,50 €, bzw. 5,00 € ermäßigt.

Führungen können unter info@stadtmarketing-koeln.de gebucht werden.

Zwei ehemalige Kölner Oberbürgermeister führen durch die Ausstellung: Am 23.04. um 15 Uhr Fritz Schramma, am 25.04. um 17 Uhr Jürgen Roters.

Eure Elena & Euer Nathan