Kölner Tattoo-Künstler: Pat De Capper von The Pigment Gallery

Text: Jacqueline Skvorc & Fotos: David Heyer

Dass Köln eine bunte Stadt ist, wissen mit Sicherheit die meisten von euch. Dass sich hier aber auch einige sehr begabte, authentische und charismatische Tattoo-Künstler tummeln, wollen wir euch mit der Reihe WE ARE COLORFUL zeigen. Wir, das sind David und Jaci. WE ARE COLORFUL stellt euch einige Tätowierer und Tattoo-Studios aus Köln vor, die uns mit ihrer Kunst, ihrem außergewöhnlichen Stil oder ihrem besonderen Studio begeistern – damit Köln noch bunter wird. Jaci schwingt den Stift für euch, David fotografiert analog.

A B O U T  M E : Über viele viele Umwege ist Patrick, der uns so offen mit seinem herzlichen Gemüt empfängt, zum Tätowieren gekommen. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, hat der heute 37jährige zunächst eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann absolviert. Es folgte eine Ausbildung als Drucker, Fachabi in Mediendesign und ein abgebrochenes Studium der Medientechnik. Abgeworben von einer Werbeagentur in Düsseldorf wollte er dort Grafikdesigner werden, lernte aber dann einen Tätowierer kennen, der ihm dieses wundervolle Handwerk ans Herz legte. „Aus Jucks und Dollerei bin ich dann nach Köln gegangen, hier hatte ich viele Freunde. Düsseldorf war mir einfach zu snobby.“ Ganz klassisch fing Patrick an, auf Schweinehaut seine ersten Motive zu stechen – mittlerweile tätowiert der Mülheimer jetzt seit neun Jahren und hat in Köln sein Zuhause gefunden.

A B O U T  M Y S T U D I O : Wenn man lange Zeit für andere Künstler in „fremden“ Studios gearbeitet hat, kommt irgendwann für die meisten der logische Schritt eines eigenen Tattoo-Studios – so auch bei Pat. „Es war gar nicht geplant, aber in dem Moment hat sich einfach die Gelegenheit geboten und ich habe nach meinem Bauchgefühl entschieden.“ Seit März 2017 nennt Pat also The Pigment Gallery im Agnes-Viertel sein Eigen. Die Idee, ein 100 qm² Studio zu eröffnen und den Laden erst einmal alleine zu füllen und zum Laufen zu bringen, war für Pat anfangs eine große Herausforderung. Doch wie es das Schicksal so wollte, stand auf einmal Mehdi vor der Tür, den er schon aus der Tattoo-Szene kannte. „Mittlerweile sind wir ein Drei-Mann-Laden mit Azubine und wechselnden Gast-Tätowierern und versuchen, alle Stile so gut es geht abzudecken“, erklärt uns Pat beim Interview. Das Besondere an The Pigment Gallery? „Das Studio drückt aus, was ich bin.“ Eingerichtet in Pats persönlichem Stil der 70er Jahre, mit vielen selbst gebauten Details und Einzelheiten, ist das Studio sehr einladend und nicht so „deep und metal“ – denn jeder Kunde soll sich hier wohl und willkommen fühlen.

A B O U T  M Y S T Y L E : Da er schon früher im Grafikdesign unterwegs war, ist auch Pats Tattoo-Stil sehr grafisch angehaucht. Man findet in seinem Portfolio viele lineare Motive, Fineline, viele Blackwork-Tattoos, polynesische Kunstwerke und auch Tätowierungen nach der Kunst von M.C. Escher. In der letzten Zeit, durch Besuche von vielen Bloggern und Influencern in seinem Studio, ist viel Fineline-Work dazugekommen: „Auch jedes noch so kleines Motiv ist würdig, jedes Tattoo hat seine Berechtigung.“ Das Tätowieren ist für ihn nach wie vor ein Handwerk – sein Stil ist durch viel Linienarbeit geprägt: „Ich fühle mich als Tattoo-Handwerker, nicht als Tattoo-Künstler.“ Von der Pike auf hat Pat gelernt, wie die Maschine zusammen- und wieder auseinandergebaut und gereinigt wird und welche Spule er für welches Motiv verwenden muss. Ihn reizen die Ursprünge und Traditionen, wie etwas funktioniert und wo die Tattoo-Kunst ihren Anfang findet. 

L I E B L I N G S M O T I V : Lieblingsmotive sind für Pat die Motive, die einem aus der Seele sprechen. Ihm ist die persönliche Geschichte hinter dem Motiv immer sehr wichtig – „Leute verarbeiten oft etwas mit einem Tattoo und ich kann ihnen mit meinem Handwerk helfen, die Welt für sie ein Stück weit zu verändern.“ Seit Ewigkeiten ist eins seiner Lieblingsmotive eine abstrakte Version von Marlene Dietrich in einer Watercolor-Grafik Version, gestochen für einen Freund. 

K Ö L N : Für Pat ist Köln auf jeden Fall eine Tattoo-Stadt – „Hier gibt es ja mehr als 50 Tattoo-Studios in der Stadt.“ 

I C H  M Ö C H T E  N I E M A L S S T E C H E N : Politisch-orientierte Motive werden in der The Pigment Gallery auf keinen Fall gestochen. „Extrem rechts oder extrem links sind einfach extrem dumm.“ Punkt. 

I C H M Ö C H T E  U N B E D I N G T  S T E C H E N : Hier hat Pat kein bestimmtes Motiv im Kopf. Er sagt, dass er sich momentan sehr gut beim Tätowieren ausleben kann. Wenn er sich aber doch etwas wünschen würde, wären es mehr Kandinsky-Motive. Oder Motive von Kunden, die ihn einfach machen lassen. „Wenn man freie Hand beim Tätowieren hat, ist das das geilste.“ 

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Die Künstler-Box

Ich heiße: Patrick „de Capper“ Cabras-Zerlett.
Stil: Blackwork, Fineline, Grafikdesign-Tattoos.
Mein Studio heißt: The Pigment Gallery.
Adresse: Weissenburgstraße 32, 50670 Köln.
Termine frei? Bis März 2019 bin ich ausgebucht, aber das Booking ist weiterhin geöffnet.
Am besten kontaktiert man mich über: info@thepigmentgallery.com oder über Social Media.
Eigene Tattoos: Sie sind auf dem Weg, eins zu werden.
Köln ist für mich: Meine zweite Heimat nach dem Ruhrgebiet.
Was ihr unbedingt wissen müsst: Wir sind hier in unserem Studio auch eine kleine Reparatur-Werkstatt. Wenn jemand mit seinem Motiv nicht zufrieden ist, es ausbessern oder erweitern lassen möchte, ist er bei uns allen in besten Händen.
Meine Message für Köln: Die Menschen sollten mehr Verständnis füreinander haben – und auch morgens an der Kasse im Supermarkt einfach mal ein bisschen freundlicher zueinander sein.

Eure Jaci & David

WE ARE COLORFUL IST EINE SERIE, DIE ALLE VIER WOCHEN AUF WE ARE CITY ERSCHEINT.

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