36 spannende Orte für Kunstliebhaber in Köln

Mini-Guide Kunst Köln

Kuratiert und geschrieben von Steffi Kutsch & Fotos von Athenea Diapouli-Hariman

„Kunst kommt von Können“ lautet ein geflügeltes Wort, welches in der Kunstdebatte zur Beschreibung von Kunstfertigkeit verwendet wird. Seit Joseph Beuys ist längst klar: Jeder Mensch ist ein Künstler. Er fordert den Einsatz kreativer Fähigkeiten, um unsere soziale Gemeinschaft zu verbessern. Ob aus solch hehren Gründen oder aus purer Vergnügungslust -- die „Stadt mit K“, unsere „Stadt der Kunst“, hat auch in dieser Hinsicht viel zu bieten. 

Mit Kunstmessen wie der „Art Cologne“ und den Kölner Galerien ist die Stadt auf dem internationalen Kunstmarkt seit jeher gefragt. Kunst wird aus Liebhaberei gesammelt oder ist spekulatives Investitionsobjekt. In zahlreichen Kunstmuseen, so zum Beispiel in unserem Lieblingsmuseum „Museum Ludwig“, wird der Kulturwert von Kunst betont und für den Betrachter erschließbar gemacht. An der KHM, der Kunsthochschule für Medien in Köln, kann man seitens der Kunstlehrenden Einblicke in verschiedene Kunstströmungen erhalten. Den Kunststudierenden werden hier Fertigkeiten vermittelt, um eine eigene Bildsprache zu entwickeln und selbst zu eigenständigen kreativen Kunstschaffenden zu werden. 

Unser Guide Kunst in Köln ist für alle Kunstliebhaber in Köln: ob Kunstprofi oder Laie, ob Kunstproduzent oder - Konsument. Für euch haben wir Orte zusammengestellt, die Kunstvergnügen garantieren und zum Entdecken einladen.


Galerien

Ruttkowski;68
Lichtstraße 8 – 24, Ehrenfeld

„Altbewährtes an neuem Platz“. Unter dieses Motto könnte man den Umzug der Ruttkowski;68- Galerie aus dem Belgischen Viertel nach Ehrenfeld in die Lichtstraße am besten fassen. Obwohl allein der Zusatz „alt“ zu einer Galerie wie Ruttkowski;68 keineswegs passt. Jung, frech und partytauglich ist zum Beispiel allein mitunter das Publikum, welches man hier bei Showeröffnungen zahlreich antrifft. Ältliche, verschrobene Kunstsammler mit aufgesetzt künstlerischer Attitude sucht man hier vergebens. Es geht gelassener zu, vom gut betuchten Kunstkenner bis zum kunstinteressierten Schüler ist hier jeder willkommen. Das spüren wir ganz deutlich, als wir auf den Mitte 20-jährigen und damit ebenfalls jungen Benedikt treffen, der für die Galerie Ruttkowski;68 und seinen Chef Nils Müller arbeitet und uns mehr als freundlich Auskunft gibt. Auch er ist vom Virus infiziert und sammelt Kunst. Spannend berichtet er von einem Kunstwerk, dass er mit 15 Jahren sah, welches mehrere Tausend Euro kosten sollte, was er einige Zeit später mit der Ersparnis jedes erarbeiteten Cents erwarb. Das war sein Beginn. Jung, grell und knallig ist die Kunst der Galerie, pulsierende Urban Art ihr Programm. Er lädt mit uns jeden ein, zu den regulären Öffnungszeiten und den regelmäßig stattfindenden Vernissagen ausstellender Künstler einfach mal vorbeizukommen. Die in der Ruttkowski;68 gezeigte Kunst ist zeitgenössisch „jung“. Es sind interessante, ausgewählt moderne Künstler aus der ganzen Welt, von Deutschland über Europa, von den USA und aus Afrika vertreten, deren künstlerische Ästhetik jedermann zugänglich ist, ohne allerdings trivial zu sein. Alle gezeigten Künstler sind, trotz ihres meist relativ jungen Alters, deutlich anerkannt in der nationalen wie internationalen Kunstszene.

Philip Emde - „Emdiland“

„Emdiland“ – Der Künstler Philip Emde hat eine große, antiquierte Steiff-Tier-Sammlung. Jocko, Lora und Coco heißen die Affen, Hunde und Bären, die nun zum Teil sogar Gegenstand seiner Kunstinstallationen wurden. Sie blicken auf locker, schnell und zuweilen hart mit Grafit gezeichnete, silbergrau schimmernde Bildoberflächen zwischen denen und uns als Betrachter sie vermitteln. Mal sind sie nüchterne Beobachter, mal scheinen sie als enthusiastische Fans oder auch scharfe Kritiker. Ungeheuer menschlich und uns selbst entlarvend kommen einem die Tiere vor. Gespannt reisen wir ins Emdiland.

Mirko Mayer Galerie / m-projects
Erftstraße 29, Belgisches Viertel

Seit ihrer Gründung im Jahr 1998 vertritt die Galerie sowohl junge als auch etablierte internationale Positionen zeitgenössischer Kunst. Ihren programmatischen Schwerpunkt stellen insbesondere Künstler dar, die vielfältig sind und in zwei- und dreidimensionalen Bereichen gleichzeitig arbeiten.

Mirko Meyer selbst stammt aus einer Sammlerfamilie. Sein Vater sammelte Fotografie des 19. Jahrhunderts. Mit ihm gründete er seine erste Galerie „Mayer und Mayer“, da war er gerade 16 Jahre alt. Nach dem Abitur und sechs Semestern Studium der Kunsthistorik und gesammelter Erfahrung als Kurator startete er durch im Galeriegeschäft und baute für vielerlei Kunden so deren arrivierte Sammlungen mit auf. Parallel zur ständigen Arbeit in der Galerie haben bis heute Kunstberatung und Ausstellungsorganisationen mit m-projects sein Geschäftsfeld ergänzt.

Für den Standort Köln entschied Meyer sich, trotz Abwanderung manch anderer Galerien nach Berlin, ganz bewusst. Mirko Meyer betrachtet die zeitgenössische Kunst kritisch und möchte mit der Aufnahme von Künstlern ins Galerieprogramm nicht „objektiv“ gefallen.

Die gezeigten Ausstellungen der Galerie haben oft installativen Charakter. Die meisten seiner Künstler gehen mit ihrer Arbeit über ihr eigentliches künstlerisches Kernspektrum hinaus und kombinieren oder transformieren verschiedene Techniken und Kunstrichtungen. Seit nunmehr 22 Jahren ist die Galerie heute in Köln etabliert. Anlässlich ihres 20-jährigen Bestehens gab es 2016 eine Jubiläumsausstellung mit einer Auswahl von über 100 Werken von 50 Künstlern. Damit präsentierte sie einen Querschnitt des Bestandes aus Ankäufen, ergänzt durch Werke aus der Privatsammlung von Mirko Meyer. Die Galerie möchte sowohl jungen, als auch etablierten und erfahrenen Sammlern und Kuratoren stets eigene, neue Entdeckungen ermöglichen.

m-projects

Ergänzend zum bestehenden Galerieprogramm wurde im Jahr 2005 m-projects als weiteres Ausstellungsinstrument entwickelt. M-projects ermöglicht Künstlern Projekte, die zunächst nicht im eigentlichen Galerieprogramm integriert sind. Dies bietet die Möglichkeit der Innovation, Platz für kuratierte Ausstellungen und Gelegenheit für junge Künstler sich zu behaupten und zu profitieren. Einige der von der Galerie ständig vertretenen Künstler haben vor ihrer Aufnahme in das Galerieprogramm bei m-projects ihre Ideen und Inhalte erfolgreich präsentiert und vermittelt.

Aktuelle Ausstellung: Eglé Otto - „vom leeren ins undichte“

1976 ist Eglé Otto in Litauen geboren. Seit mehr als dreißig Jahren lebt und arbeitet sie nunmehr in Hamburg. In ihrer Malerei bewegt Otto sich vom Gegenständlichen zum Abstrakten. Sie lenkt damit den Blick vom Vertrauten in Freiräume, wo Farben und Formen nichts mehr darstellen müssen. Ihre jüngste Serie an „Körperlandschaften“ lässt sich keinem klassischen Genre mehr zuschreiben. Ineinander verschlungene Körperteile verschmelzen in reinen Farbfeldern und tastenden Umrisslinien. Gedeckte Töne und Hautfarben mischen sich mit schriller Buntheit. Eindeutige Kategorien greifen nicht mehr. Sie erfindet damit eine Bildsprache, die für das Geschlechterverhältnis der Gegenwart steht: Ihre Malerei ist fluid, im Werden begriffen.

Berthold Pott
An der Schanz 1a, Riehl

Berthold Pott ist, zusammen mit seiner Frau, Begründer der gleichnamigen Galerie „Berthold Pott“ in Köln. Obwohl er sich insbesondere für den Austausch der Kunst New Yorks und Kölns einsetzt, welcher in den 1960er und 70er Jahren seinen Auslöser fand, und obwohl er sich schwerpunktmäßig zunächst auf Themen und Fragestellungen der Malerei konzentrierte, so präferiert er generell eine Mischung der künstlerischen Medien. Wichtiger als die Frage nach den Medien mit denen ein Künstler arbeitet soll, seiner Meinung nach, nämlich die Frage nach dem künstlerischen Konzept sein, welches hinter der Arbeit steht. Entsprechend hat auch Potts Galerieprogramm keinen streng formalisierten Fokus. „Wir möchten offen bleiben für neue Positionen und Aspekte in der zeitgenössischen Kunst. Künstler entwickeln sich ständig weiter - und die Galerie sollte das Gleiche tun.“ Ist es aus Sicht einer Galerie nicht insbesondere wirtschaftlich interessant gehypte, aufstrebende Künstler im Programm zu haben? Laut Berthold Pott geht es nicht darum, „heißen Künstlern“ hinterherzujagen, denn dann laufe man Gefahr, verbrannt zu werden - sowohl als Käufer als auch als Künstler. Er sieht darin sogar die Aufgabe, welche alle - Sammler, Galerien und Kunstmessen - betrifft: „Wir müssen aufhören, ständig nur nach neuen, angesagten Namen zu suchen, und uns stattdessen darauf konzentrieren, in den Werken jüngerer Künstler Nachhaltigkeit, Konsistenz und Stabilität hinsichtlich der Qualität zu betonen.“ Deshalb ist es für ihn umso wichtiger, über viele Jahre hinweg eine Künstlerkarriere aufzubauen und diese wesentlich durch Zusammenarbeit mit seiner Galerie zu unterstützen.

Auch die Räumlichkeiten seiner Galerie haben Aussagekraft. Die Räume sind großzügig und dennoch unprätentiös, der industrielle Charme des Gebäudes verleiht dem Raum seinen eigenen Charakter. Es handelt sich um ein ehemaliges Umspannwerk, in dem sich heute noch weitere drei Galerien befinden. Ehemals wurde hier die Energie für die Stadt Köln viele Jahre lang umgewandelt.

„Dies ist eine sehr gute Metapher für das, was wir jetzt tun.“, sagt Pott. „Wir bemühen uns, die Energie, die von diesem Ort heute in seiner neuen Form ausgeht, sichtbar und greifbar zu machen.“ Welche Ausstellungen oder Projekte sind für die Galerie Berthold Pott aktuell relevant? Parallel zur Art Cologne 2018 ist Loup Sarion hier vorgestellt, ein junger Künstler, der in New York lebt. Als relevante Einzelausstellung in der Galerie sind die Werke von Johanna von Monkiewitsch zu nennen. Hierzu wurde auch die Publikation präsentiert, die im Zusammenhang mit ihrer Ausstellung im Museo Ca 'Rezzonico in Venedig entstanden ist.

Museen

Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz, Innenstadt

Rautenstrauch-Joest-Museum
Cäcilienstraße 35, Innenstadt

Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud
Obenmarspforten 40, Innenstadt

Museum für Angewandte Kunst Köln
An der Rechtschule, Innenstadt

Kolumba
Kolumbastraße 4, Innenstadt

KUNSt&So
Genter Str. 6, Belgisches Viertel

Museum für Ostasiatische Kunst
Universitätsstraße 100, Lindenthal


PARKS

Skulpturenpark Köln
Elsa-Brändström-Straße 9, Riehl

Schlosspark Stammheim
Stammheim


Projekte, Institute & Archive

Historisches Archiv der Stadt Köln
Heumarkt 14, Innenstadt

Museumsdienst Köln
Leonhard-Tietz-Straße 10, Innenstadt

Rheinisches Bildarchiv
Kattenbug 18, Innenstadt

Kunsthaus Kat 18
Kartäuserwall 18, Innenstadt

Kölnischer Kunstverein
Hahnenstraße 6, Innenstadt

Akademie der Künste der Welt
Herwarthstraße 3, Belgisches Viertel

Art Initiatives Cologne (AIC)

Art-Projekt
Industriestraße 170, Sürth

KunstWerk e.V.
Deutz-Mülheimer Str. 127, Deutz


Messe, Veranstaltungen & Festivals

Art Cologne

Voller Stolz blicken wir Kölner auf ein alljährliches Ereignis. Die Art Cologne bringt besondere Gegenwartskunst an den Rhein. Sie existiert seit 1967 und ist damit die älteste Kunstmesse überhaupt. Ende April fand die diesjährige 52. Ausgabe statt. Es verwandelten sich die Messehallen in Deutz in eine riesige Galerie auf Zeit. Von ihrer Anziehungskraft auf Sammler aus aller Welt profitiert ganz Köln. Tagsüber zeigten 200 internationale Topgalerien aus 31 verschiedenen Ländern, darunter auch zahlreiche Kölner Galeristen, was aktuell in der Kunstszene von Bedeutung ist. Die renommierten Galerien und Newcomer präsentierten damit ein außergewöhnliches und hochqualitatives Angebot der Klassischen Moderne, Nachkriegskunst und Zeitgenössischen Kunst in allen Angebotssegmenten. Im Teilbereich „Neumarkt“ offenbart die Art Cologne frische Kunstmarkt-Einblicke durch die Präsentation der jüngsten Galerien. Wir halten einen Besuch, auch wenn man nichts kaufen will oder kann, für wirklich lohnenswert. Hier gibt es, insbesondere bei den jungen Talenten, einiges zu entdecken. 

Discovery Art Fair

Langer Donnerstag

The Cologne Biennial

Illu-Festival

Offene Atteliers Köln

Robodonien

Photoszene Festival

Museums Nacht

Cologne Fine Art

Ausstellungen und Veranstaltungen der Kunsthochschule für Medien Köln

Ausstellungen und Veranstaltungen der Köln International School of Design

Ausstellungen und Veranstaltungen der esosign/ Akademie für Gestaltung

City-Leaks - Cologne Urban Arts



Wissenschaft & Kunsthochschule

Nach Einblicken als Betrachter des zeitgenössischen Kölner Kunstmarktes, wechseln wir die Blickrichtung und schauen auf die Produzentenseite, die Kölner Künstler und ihren Werdegang. Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten gibt es zahlreiche, wir empfehlen besonders kreative Lieblingsorte als Talentschmieden in Köln.

KHM - Kunsthochschule für Medien Köln 

Heute gehört die KHM fest und erfolgreich zum Kanon deutscher Kunst- und Filmhochschulen. Dies ist nicht selbstverständlich, wenn man bedenkt, dass man sie bei ihrer Gründung 1990 insbesondere mit der Schließung der ehemaligen Kölner Werkschulen verband. Anfänglich stand man ihr skeptisch gegenüber und fand Bezeichnungen wie „Paradiesvogel“ oder „Experiment ohne Erfolgsgarantie“. 

Dies ist nahezu 30 Jahre her, die Ausbildung ist heute unbestritten anerkannt und einzigartig. Als Alleinstellungsmerkmal gilt, dass sie ihrem projektorientierten Ansatz treu geblieben ist und damit individualistische „Cross-over-Talente“ in Kunst, Medien, Film und Wissenschaft hervorbringt, die in ihren Disziplinen bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. 

Auch zum Ankommen der Studierenden in der Arbeitswelt macht man sich hier verantwortungsvolle Gedanken: Der transdisziplinäre Ansatz in Lehre und Forschung, die kontinuierliche Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Hochschulen, mit kulturellen Institutionen, Festivals, Ausstellungsmachern sowie der Medien- und Filmwirtschaft bereitet ein sicheres Netzwerk als Boden, auf dem die Studierenden, Promovierenden und Fellows nach dem Diplom tragfähig arbeiten können: Es entstehen freie oder im Kollektiv schaffende KünstlerInnen, ProgrammiererInnen, FilmregisseurInnen, Kamerafrauen und -männer, DrehbuchautorInnen, GestalterInnen, ProduzentInnen und andere selbstständige UnternehmensgründerInnen. Eine beachtliche Zahl von ihnen gibt mittlerweile ihre Kompetenz darüber hinaus als HochschullehrerInnen weiter.

Die Zahl der Studierenden an der KHM liegt bei 70 bis 80 Neueinschreibungen pro Wintersemester und rund 390 Studierenden im Jahresdurchschnitt. 

Gute Möglichkeiten, die KHM kennenzulernen sind jedes Jahr der Rundgang im Juli und der Infotag im Dezember.

Institut für Kunst und Kunsttheorie

Kölner Kunst-Blogs

Artblog Cologne

Damian Zimmermann


Eure Steffi & Athenea

Hinterlasst gerne eure Lieblings-Kunst-Spots als Kommentar. Wir freuen uns darauf!

Weiter Empfehlungen unserer Leser:

Ebertplatz

artothek 
Am Hof 50, 50667 Köln