Ein Spaziergang durch den Rheinauhafen

Der veedel-Guide: Rheinauhafen

Kuratiert und geschrieben von Gast-Autorin: Laura Thomsen & fotografiert von Florian Yeh

Der Rheinauhafen ist schon längst kein Ort mehr, der nur von Segway fahrenden Touristengruppen und tüchtigen Geschäftsleuten genutzt wird. Auch die KölnerInnen haben den Ort mittlerweile für sich entdeckt und wissen ihn für sich zu nutzen – zum Joggen, Fahrradfahren oder einfach für einen Spaziergang mit tollem Ausblick.

Der Rheinufer-Abschnitt zwischen Schokoladenmuseum und Südbrücke war früher ein kleiner Hafen, der seit den 1970er Jahren nicht mehr vollständig genutzt und dessen Betrieb 2001 vollkommen eingestellt wurde. Alles, was heute noch an den Hafen erinnert, sind die Anlegestellen für Yachten und Boote sowie sechs unter Denkmalschutz stehende Kräne.

Die Umbauten, die nach der Schließung folgten, ärgerten viele Einwohner, da durch sie der Charme des kaum genutzten Industriegebiets zum Teil durch hochmoderne, gläserne Gebäude ausgetauscht wurde. Die drei Kranhäuser, die zwischen 2006 und 2010 entstanden, gehören zu den modernsten Gebäuden der Welt und brachten ein völlig neues Stadtbild hervor – sie sind mittlerweile ebenso bekannt, wie der Kölner Dom. So sollte der Rheinauhafen mit seiner Mischung aus historischen und hochmodernen Gebäuden ein Beispiel für das neue Köln sein, dessen Herz aus seiner Geschichte und Kultur besteht und das sich gleichzeitig den Anforderungen einer Großstadt des dritten Jahrtausends mehr als gewachsen zeigt.

Es gibt sie immer noch – die Restaurants und Bars, auf deren schicken Terrassen mit Rheinblick augenscheinlich nichts als wichtige Business-Dinner abgehalten werden. Mittlerweile haben sich auch für die vielen Touristen und Büroangestellten des Viertels einige bekannte Restaurantketten dazugesellt. Neben einem Crêpe-Stand und dem einen oder anderen Eiswagen findet sich aber auch kurz vor der Südbrücke ein kleiner Imbiss, der über die Grenzen Kölns bekannt ist – durch seinen Dauerauftritt im Kölner Tatort. Die liebevoll „Bratort“ genannte Wurstbraterei gehört einem Familienunternehmen – wer hier Currywurst mit Pommes bestellt, bekommt neben Ketchup noch die typisch kölsche Herzlichkeit obendrauf serviert.

Warum die Umgebung der kleinen Touristenattraktion ganz anders aussieht, als im Film? Weil der Betreiber für jeden Dreh extra mit seinem Wagen auf die Hohenzollernbrücke fährt, wo die Kommissare Ballauf und Schenk ihre Currywurst schön mit Domblick genießen können.

Der Bratort ist aber nur eins von vielen liebenswürdigen Elementen des so skeptisch beäugten Rheinauhafens. Es ist nicht nur der Blick auf den Rhein und die gegenüberliegenden Pollerwiesen. Wer schon vor dem Schokoladenmuseum rechts in den innenliegenden Bootshafen einbiegt, kann gerade in den Abendstunden die hübsch beleuchteten Yachten und Boote beobachten und eine sehr gemütliche Atmosphäre erleben. Dort baut sich während der Sommerzeit auch seit einigen Jahren das Sion Sommerkino auf, wo neben aktuellen Kinohighlights auch mal Klassiker wie Breakfast at Tiffany’s unter freiem Himmel gezeigt werden.

Auf dem regelmäßig stattfindenden Antik- und Trödelmarkt kann man außerdem gut mal nach dem einen oder anderen Schätzchen schauen und diverse Lauf- und Trainingsgruppen treffen sich hier in den Morgenstunden, um mit der aufgehenden Sonne das Kölsch von gestern abzustrampeln.

Und in der Adventszeit ist vor dem Schokoladenmuseum ein maritimer Weihnachtsmarkt aufgebaut, an dem zwar nicht die abwechslungsreichsten Verkaufsstände stehen, wo man aber mit Blick auf das Wasser neben Glühwein auch Astra trinken kann.

Und dann ist da noch der Skatepark Kap686. Dort, wo die letzten Gebäude aufhören und eine abschüssige Straße den Weg in den natürlicheren Teil des Rheinufers einleitet, können Skater auf einen großen, modernen Parcours zurückgreifen – und auch das angrenzende Beachvolleyball-Feld wird besonders bei gutem Wetter sehr rege genutzt. Durch die Wiesen und schattigen Plätzchen um den Park herum nutzen aber auch viele den Ort, um sich auszuruhen oder den Skater bei ihren Tricks zuzuschauen. Abends wird im Sommer – gerade am Ufer mit Blick auf den Rhein und die Südbrücke – auch schon mal die eine oder andere Bierflasche ausgepackt.

Der weite Blick, der Duft von Wasser und Wind, der einem den Kopf durchpustet. Auf dem Fahrrad morgens Richtung Südbrücke düsen und die Sonne aufgehen sehen. Nachts am Bootshafen Kreuzspinnen in ihren Netzen unter den Lampen beobachten. Einfach auf einer der Treppen sitzen und in der Masse untergehen. Mitten in der Stadt ganz nah am Wasser sein und sich trotz der riesigen Gebäude irgendwie zu Hause fühlen. Und von der Südbrücke aus, da hat man vielleicht den schönsten Blick auf die Kölner Skyline.

Für Einige ist der neue Rheinauhafen ein Ort, der sich nicht zwischen Nostalgie und Science-Fiction entscheiden kann. An dem gezeigt werden soll, was Köln zu bieten hat, um Touristen anzuziehen und Internationalität auszustrahlen.
Es gibt aber auch die, die sich diesen speziellen Ort zu eigen zu machen wissen. Die die besondere Schönheit in ihm erkennen – in dem Ausblick, in der Architektur und in der Gewissheit, dass wir alle an der Zukunft nicht vorbeikommen, ohne sie ein wenig mitzugestalten.

Eure Laura & Euer Florian

Hinterlasst gerne eure Lieblingsorte vom Rheinauhafen als Kommentar und wir fügen diese mit in unsere Liste ein. Wir freuen uns darauf!


Gastautorin Laura Thomsen stellt sich vor:

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Laura Thomsen
Event- und Marketing Managerin & freie Texterin

Nach einigen Umwegen im Lebenslauf habe ich eine Ausbildung zur Eventmanagerin in der Tasche und arbeite als freie Event- und Marketing Managerin in Köln. Nebenbei studiere ich Germanistik und Medienkulturwissenschaften an der Uni und betreibe einen kleinen Literaturblog. Als gebürtige Hamburgerin habe ich nach einigen Jahren in Köln das Rheinland und seine BewohnerInnen lieb gewonnen, bin aber weiterhin dabei, meine Herzensorte in der Stadt zu erkunden. Besonders lieb gewonnen habe ich alle Orte, die am Wasser liegen und mir ein Gefühl von Freiheit vermitteln.

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