Ein Spaziergang durch Zollstock

DER VEEDEL-GUIDE: ZOLLSTOCK

Text: Lina Reitz & Bilder: Julia Breuer

Wenn ich ganz ehrlich bin, so war mir Zollstock lange unbekannt. Klar wusste ich wo in etwa Zollstock liegt. Natürlich hatte ich mich auch schon mal gefragt, woher der Name kommt, aber mehr Berührungspunkte gab es nicht. Bis ich mich Anfang 2019 wieder auf Wohnungssuche begab und auch Zollstock in meinen Suchradius mit aufnahm. Nach vielen Besichtigungen in ganz Köln, stand ich eines Tages auf dem Höninger Weg und besichtigte eine weitere Wohnung. Ich verliebte mich schlagartig. Ein paar Wochen später zog ich in die neue Wohnung und damit in mein neues Veedel Zollstock.

Die Gelegenheit Köln noch ein Stück besser kennen zu lernen, am besten mit einem Spaziergang, einem WE ARE CITY Veedelswalk.  

Um Zollstock ein Stück besser kennen zu lernen treffe ich mich an einem Freitagvormittag mit Fotografin Julia Breuer. Zusammen gehen wir auf Entdeckungstour. Es ist einer der ersten richtigen Sommertage des Jahres, die Sonne scheint und es geht ein leichter warmer Wind, perfektes Wetter für unseren Spaziergang. Julia und ich starten auf dem Höninger Weg. Wir biegen links in den Gottesweg und laufen bis zum Vorgebirgspark. Den Park habe ich bereits in der ersten Woche nach meinem Umzug für mich entdeckt und direkt meine Joggingstrecke hier hin verlegt. Auch mein Weg zur Arbeit führt hier einmal quer durch. Ein bisschen abseits gelegen, ist der Park auch nicht so voll wie andere Südstadtparks. Hunde spielen auf den grünen Wiesen, Jogger ziehen ihre Runden und es gibt einen kleinen Skatepark, Kinderspielplätze und einen Basketballplatz. Man kann grillen an Sommertagen, Sport treiben oder einfach in der Ruhe das Grün genießen. Dabei zieht sich der grüne Park einmal komplett an Zollstock entlang. Wir folgen einem der Hauptwege, unter dem Gürtel hindurch, bis wir fast am Äußeren Grüngürtel ankommen. Wir biegen aber kurz vorher nach rechts ab und stehen ganz schnell auf dem Höninger Platz an der Endhaltestelle der KVB Linie 12.

Hier liegt der 1901 gegründete Südfriedhof gegenüber von Büdchen, Restaurants und einer der besten Eisdielen der Stadt. Doch Eis gibt es erst später, denn unser Weg führt uns erst einmal auf den Friedhof. Dieser ist mit fast 615.400 m² zurzeit der größte Friedhof in Köln und zählt damit zu den bedeuteten Grünflächen unserer Stadt. Die breiten, hellen Kieswege und alten hohen Bäume schaffen eine eindrucksvolle Stimmung. Julia und ich sind direkt ein Stück nachdenklicher, ruhiger, reden nur noch leise miteinander. Wir sind fasziniert von all den Eindrücken an diesem Ort, spazieren herum, bleiben stehen und genießen den Blick auf die unendlich wirkenden Wege. Alleine an diesem Ort könnten wir noch Stunden verbringen. Aber wir haben Eishunger und so laufen wir zurück Richtung Höninger Platz. Gegenüber vom Südfriedhof liegt die Eisdiele van der Put. Hier wird Eis noch traditionell hergestellt, in alten wunderschönen Eismaschinen direkt hinter der Theke. Ach wie herrlich. Wir freuen uns wie kleine Kinder über unser Eis und laufen mit der Waffel in der Hand weiter Richtung Kalscheurer Weg. Links von uns liegt im Schatten der Bäume der Friedhof, Rechts von uns führen kleine Gassen in eine Wohnsiedlung. Verwunschene Häuschen mit bunten Türen, wilden Rosenbüschen und großen Briefkästen springen uns förmlich entgegen. Hier verliert Köln auf wundersam schöne Weise seinen Großstadt Charakter und wirkt wie ein kleines Dorf. Dabei vergisst man fast, dass die Bewohner hier nur wenige Bahnstationen von der Innenstadt entfernt sind. So ländlich kann also Großstadtleben in Köln sein.

Wieder zurück auf dem Höninger Weg laufen wir Stadteinwärts. Wir kommen vorbei am Restaurant Höninger, hier gibt es sonntags Brunch, alle FC Spiele live und abends Kneipenstimmung und saisonales Essen. Direkt auf der anderen Straßenseite liegt der wohl bekannteste Waschsalon der Stadt. Nightwash gastiert hier regelmäßig und gibt jungen Künstlern der Comedy Szene eine Bühne. Unser letztes Ziel an diesem Tag ist aber das Südstadion, denn auch das ist Zollstock, ist Köln und ist Heimat der Fortuna Köln. Die Fortuna, die spürt man auch an Spielfreien Tagen. Flaggen, Sticker und kleine Kunstwerke begegnen uns bereits auf dem Weg dorthin und eins ist klar, auch diese Liebe vergeht nicht. Köln liebt seinen Fußball und wir haben uns heute ein Stück mehr in Köln verliebt. Denn Zollstock hat eine Menge zu bieten, viel Potenzial und Platz für kreative Ideen. Wir sind gespannt was in den nächsten Jahren passiert, welche Cafés öffnen, welche Läden bestehen. Und ganz vielleicht gibt es in ein paar Monaten oder auch einem Jahr, einen zweiten Veedelswalk über Zollstock. Dann wenn ich mein Veedel noch ein Stück besser kennen gelernt habe.
Bleiben möchte ich auf jeden Fall jetzt schon.

In diesem Sinne, liebt eure Stadt und euer Veedel, Eure Julia & Lina


ORTE IN ZOLLSTOCK, DIE IM BEITRAG ERWÄHNT WERDEN:

Eisdiele van der Put
Höninger Pl. 3

Restaurant Höninger
Herthastraße 68

Fortuna Köln | Südstadion
Vorgebirgstraße 76

Nightwash
Höninger Weg 134