Einmal im Jahr, meist Anfang November, bleiben die Kölner Museen bis in die Nacht geöffnet. Ein Ticket gilt für alle Häuser, Shuttlebusse fahren im Kreis, in den Foyers spielen Bands, und vor den beliebtesten Ausstellungen stehen um 23 Uhr noch Schlangen. Die Museumsnacht ist seit den späten Neunzigern ein Fixpunkt im Kölner Kulturkalender und eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich Menschen ins Museum verirren, die sonst nie hingehen würden.
Wir waren in den vergangenen Jahren jedes Mal dabei und haben dabei gelernt, was funktioniert und was nicht. Wer tagsüber erst einmal Kölns Geschichte im Stadtbild erkunden möchte, findet in unserer Zeitreise durch Köln die Orte, an denen die Museen später ansetzen.
Wie die Nacht organisiert ist
Das Prinzip ist einfach: Ein Ticket, im Vorverkauf günstiger als an der Abendkasse, öffnet von 19 Uhr bis 2 Uhr über 40 Museen, Galerien, Kirchen und Off-Räume. Der Veranstalter stellt das komplette Programm auf museumsnacht-koeln.de, inklusive Karte, Shuttle-Routen und Zeiten für Führungen und Konzerte. Die Shuttles fahren auf mehreren Ringen durch die Innenstadt und nach Ehrenfeld, im Ticket inbegriffen ist außerdem der öffentliche Nahverkehr im Stadtgebiet.
Die großen Häuser
Das Museum Ludwig neben dem Dom ist der Publikumsmagnet, mit Pop Art, Picasso und wechselnden Ausstellungen, die in der Museumsnacht oft mit DJ-Sets im Foyer kombiniert werden. Das Römisch-Germanische Museum, derzeit im Belgischen Haus untergebracht, zeigt das Dionysos-Mosaik und die römische Stadtgeschichte. Das Wallraf-Richartz-Museum bespielt sein Mittelalter und seine Impressionisten mit Führungen im Viertelstundentakt. Wer alle drei sehen will, sollte früh anfangen: Nach 22 Uhr wird es an diesen Adressen eng. Eine Übersicht aller städtischen Häuser mit aktuellen Ausstellungen führt museen.koeln.
Die Geheimtipps
- Kolumba: Das Kunstmuseum des Erzbistums über den Ruinen der Kirche St. Kolumba. Nachts fast leer, weil es kein Programm macht. Genau deshalb hingehen.
- Schokoladenmuseum: Familienfreundlich, mit Rheinblick, und der Schokobrunnen läuft auch um Mitternacht.
- Das Duftmuseum im Farina-Haus erzählt die Geschichte des Kölnisch Wassers in einem einzigen Raum und braucht keine halbe Stunde.
- Artothek und Kunsthaus Rhenania: Zwei kleine Häuser mit Gegenwartskunst, in denen man mit den Künstlern ins Gespräch kommt.
Wie man den Abend plant
Drei bis vier Häuser sind realistisch, mehr wird zur Hetze. Bewährt hat sich, mit einem der großen Museen um 19 Uhr zu beginnen, wenn die Schlangen noch kurz sind, dann in kleinere Häuser zu wechseln und den Abend in Ehrenfeld oder im Belgischen Viertel ausklingen zu lassen. Bequeme Schuhe sind Pflicht, eine Jacke zum Ausziehen ebenfalls, denn die Foyers sind voll und warm. Wer mit Kindern kommt, sollte auf die Programmpunkte achten, die ausdrücklich für Familien ausgewiesen sind, meist zwischen 19 und 21 Uhr. Für die Wege zwischen den Häusern lohnt ein Blick auf den Shuttleplan: Die Busse fahren im Zehn- bis Fünfzehn-Minuten-Takt, sind aber gegen 22 Uhr auf den Innenstadtringen so voll, dass man zu Fuß oft schneller ist. Vom Museum Ludwig zum Wallraf sind es fünf Minuten, vom Wallraf nach Kolumba noch einmal fünf.
Fazit: Hingehen, aber mit Plan
Die Museumsnacht ist kein Abend für Vollständigkeit. Wer versucht, alles zu sehen, sieht nichts. Zwei große Häuser, zwei kleine, ein Konzert dazwischen, ein Kölsch am Ende: So bleibt die Nacht in Erinnerung. Und wer feststellt, dass ihm Kolumba oder das Wallraf gefallen haben, kommt tagsüber wieder. Das ist am Ende der eigentliche Zweck der Veranstaltung.


